Hollywoods Tiefpunkt: Der neue „Ben-Hur“-Trailer

von

Natürlich sollte man Filme erst beurteilen, nachdem man sie in Gänze gesehen hat, alles andere wäre auch unfair. Allerdings ist es auch unfair, was gerade mit „Ben Hur“ geschieht. Der Monumentalfilm aus dem Jahr 1959 erhält eine auf den weltweiten Markt ausgelegte Neuverfilmung – und jedes bisher erschienene Bild dazu sieht aus wie blanke Blasphemie. Also sind wir an dieser Stelle mal so frei und machen den Film schon vorab nieder.

„Ben Hur“ ist ein Sandalenfilm, der vor einem halben Jahrhundert 11 Oscars gewann. Und elf Oscars sprechen eine klare Sprache: Der Film war und ist perfekt. Aus heutiger Sicht zwar etwas angestaubt, aber auch jüngere Zuschauer würden wohl unterschreiben, dass sich ein Film mit elf Oscars und einer überlebensgroßen Reputation quasi unantastbar gemacht hat. Bei Paramount sehen das einige Leute wohl anders – und deshalb wurde der Stoff um Judah Ben-Hur, Jesus und das Wagenrennen noch einmal ausgegraben. Und wie im nun erschienen Trailer unschwer zu erkennen ist, geht es im Jahr 2016 CGI-Effekten sei dank ausschließlich um das Wagenrennen. Den neuen Trailer könnt Ihr Euch hier anschauen:

https://www.youtube.com/watch?v=-OE46mqgXqo

Das große Wagenrennen, auf das der gesamte Film zuläuft, wird natürlich eine großartige Actionszene. Daran besteht kaum Zweifel. Immerhin ist das russische One-Trick-Pony Timur Bekmambetov („Wächter der Nacht“ war sein einziger denkwürdiger Film) auf wilde Actionszenen spezialisiert. Zuletzt drehte er „Wanted“ und „Abraham Lincoln: Vampire Hunter“. Filme, die keinen Wert auf Emotionen und Dialoge legen. Dass Bekmambetov die Regie bei einem Film führt, in dem immerhin auch die Kreuzigung von Jesus vorkommt, Sklaverei und Unterdrückung zentrale Themen sind, ist schlichtweg nicht nachvollziehbar.

Des Weiteren sind folgende Dinge im Trailer nicht nachvollziehbar:

  • Dieser furchtbare Ceasefire-Song klingt wie ein schlechter Abklatsch eines schlechten Linkin-Park-Stücks. Und selbst ein guter Linkin-Park-Song wäre für eine „Ben Hur“-Verfilmung schon unangemessen.
  • Morgan Freeman mit dieser merkwürdigen Perücke, die Tatsache, dass alle Schauspieler irgendwie gleich aussehen und ihre Lines ohne Gefühle aufzusagen scheinen.
  • Dieser furchtbaren One-liner, die arg an „300“ erinnern.
  • Die Tatsache, dass die Produzenten diese Remake-Totgeburt tatsächlich mit einem Bibelzitat einleiten.
  • „You Should Have Stayed Away“ „You Should Have Killed Me“ „I Will“
  • Der Seifenoper-Look, den der Kreuzgang hat.
  • Ende der Liste.

„Ben Hur“ kommt am 01. September in die deutschen Kinos. Und wird hoffentlich ein Flop. Der Trailer bettelt ja darum.


Willem Dafoe ist im Gespräch für Robert Eggers' „Nosferatu“-Remake
Weiterlesen