Little Joy live in Köln

von

Little Joy, Fab Morettis (Zweit-) Band, vom MUSIKEXPRESS zum mehr als Nebenprojekt geadelt, haben unsere Herzen mit ihrem gleichnamigen Album und dem unwiderstehlichen LoFi-Folk mit Reggae-Attitüde ja schon springen lassen, wie der Hund den Flummi und nun durfte man den positivsten Effekt der Strokes– Stagnation auch hierzulande live erleben, spannungsvoll und, na klar, freudig erwartet. Allein der Gedanke an die Klänge von Moretti, Freundin Binki Shapiro und Rodrigo Amaranto erleichterte den Weg zum Kölner Gebäude 9 enorm, denn dieser Tage hielt die berüchtigte „Sibirien-Kälte“ ja das ganze Land in seinen eiskalten, klirrenden Fingern und es dauerte, aber um 10 Uhr hatte sich für ein Montagskonzert eine beachtliche, nach Wärme strebende, neugierige Gefolgschaft eingefunden, oft mit Strokes-Shirts bekleidet, aber dennoch offen für die Strokes-nonaffinen Klänge eben dieser kleinen Freude, welche neben ihrer Musik als Einheizer Dead Trees im Gepäck hatten. Vier Jungs und ein außergewöhnlicher Facettenreichtum ließen staunen, tanzen und den anfangs noch gut belegten Eingangsbereich so gut wie leer werden. Hatte man grad Gefallen am leicht treibenden, schön durchmelodierten Poptwang der vier gefunden, umseelten einen schon countryartige Gitarrenpickklänge, die, als man sich grade auf sie umgestellt hatte, eiskalt gegen harte Kost inklusive Gitarrenvirtuosität getauscht wurden, um anschließend in einem nervig-grungigen Sound, der locker als „Bush in den Neunzigern“ zu identifizieren wäre, seine erstaunliche Mündung zu finden. Beeindruckend und das sogar in Gut, wie gesagt beeindruckend.„Hi we´re Little Joy“, so Morettis kurze und knappe Begrüßung, während „die Anderen“ sich an ihren vorerstigen Plätzen einfanden, war so kurz wie prägnant und stellte angenehmerweise das Kollektiv, das auch immer wieder von den Dead Trees-Mitgliedern erweitert wurde und dessen wie schon erwähnt schlicht und ergreifend als schön zu beschreibende Musik in den Mittelpunkt des Abends. Gefühlte 35 Grad, bei leichtem Wind und rauschendem Meer ließen das „Eis“ urplötzlich dahinschmelzen. Tanzen, staunen, freuen; dieses Konzept ging von Minute eins an auf. Mal mit flotteren Klängen und Orgel, mal besinnlicher, vornehmlich mit Frau Shapiro und ihrem matten, leicht schläfrigen und grade deshalb begeisternden „Elfengesang“, der sich wie ein wärmendes Tuch über die Atmosphäre der Räumlichkeiten legte, mal groovend, mal schwerfällig verträumt. Resümieren konnte man also schon, dass alle Erwartungen erfüllt wurden. Songtechnisch bewegte man sich strikt mit dem Material des ersten, aber hoffentlich nicht letzten Albums dieses außergewöhnlichen Ensembles. Eine dahingeflogene Stunde später war alles vorbei und zu konstatieren war, dass alles versprochene erfüllt wurde: Eine kleine Freude eben.

David Vorholt – 19.01.2009


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