Nummer Eins: Jochen Overbeck über TRAVELLER von Chris Stapleton

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Chris Stapleton ist 38 Jahre alt und zeichnet für insgesamt sechs Nummer-eins-Erfolge in den amerikanischen Country-Charts verantwortlich. Die sangen aber stets andere, etwa Darius Rucker, den Sie noch aus seiner Zeit bei der amerikanischen Alternative-Rock-Band Hootie & The Blowfish kennen mögen, der „King Of Country“ George Strait und Kenny Chesney. Des weiteren arbeitete er mit Peter Frampton, Sheryl Crow und Alison Krauss zusammen.

Jetzt hat Stapleton also zum ersten Mal selbst eine Platte veröffentlicht und damit sofort die Spitze der amerikanischen Albumcharts erreicht, was ihm zu gönnen ist, denn TRAVELLER unterscheidet sich in Form wie Inhalt vom Nashville-Einheitsbrei. Stapleton, der, schon was Haartracht und Kluft angeht, eher Outlaw als Music-Hall-Schwiegersohn ist, singt nicht nur den Country, sondern auch den Blues, verzichtet auf allzu soßige Arrangements und legte Wert darauf, die Aufnahmen des Albums nicht mit den teuersten Session- Musikern, sondern seiner Band – darunter seine Ehefrau – durchzuführen. Man muss ein bisschen an Willie Nelson denken, nicht wegen der Haare, sondern weil Nelson ab 1961 Hits schrieb, etwa für Patsy Cline und Roy Orbison, aber erst 1975 selbst nennenswerte Hitparadenerfolge einfuhr.

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Stapleton, das ist der Unterschied, gelingt das also als Debütant, und es spricht einiges dafür, dass wir uns an diesen Kerl gewöhnen müssen, denn seine Songs (und zwei Coverversionen, eine davon von David Allan Coes tollem „Tennessee Whiskey“) gehen einigermaßen ans Herz, und die Stimme ist nicht immer schön, aber immer schön groß.

Ach, übrigens, nur für den Fall, dass Sie hier jemand anderen erwartet haben, etwa die Dame mit der ebenfalls schön großen Stimme und dem kleinen Klapptelefon: Für die haben wir hier durchaus ein warmes Plätzchen, denn: „If It Hadn’t Been For Love“, das Adele Ende 2010 auf die B-Seite ihrer Hit-Single „Rolling In The Deep“ packte, ist im Original ein Song von Stapletons alter Bluegrass-Band The Steeldrivers. Yeehaw!


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