Patriot, Pessimist, Verweigerer: Kasabian und Co. zwischen WM-Fieber und Fußball-Phobie

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Fußball liebt man oder guckt es eben nicht. Während der Fußball-WM 2014 spalten sich Meinungen jedoch auch beim Thema Siegchancen für das eigene Nationalteam. Nach den Sieger-Tipps der Musiker folgen hier die zuversichtlichen bis niederschmetternden Einschätzungen zum eigenen Land. Und wieder einmal wird klar, dass der Rest der Welt uns mehr zutraut als wir selbst.

Die WM-Patrioten

So schwärmt Sebastian Tellier über den neuen Trainer der Mannschaft aus FRANKREICH: „Bei der letzten WM hatten wir ein großes Problem, was die Beziehung zwischen dem Trainer und den Spielern betraf. Aber jetzt haben wir einen sehr coolen, intelligenten Typen. Also keinen Verrückten, der von der Philosophie und der Poesie des Fußballs schwärmt, sondern einen Pragmatiker. Von daher glaube ich an Frankreich und an das Team. Ich bin schon ganz aufgeregt.“  und auch Arnaud Rebotini von Black Strobe findet warme Worte: „Die Art, wie sich die Spieler qualifiziert haben, macht Hoffnung. Und ich glaube, dass sie diesmal weit kommen werden. Das ist meine volle Überzeugung. Zumal der erste Teil des Turniers, also die Gruppenphase, sehr leicht ist. Wir dürften also keine Probleme haben, das Viertelfinale zu erreichen – wo wir wahrscheinlich auf Deutschland treffen. Wenn wir das gewinnen, geht es gegen Brasilien. Und im Fußball ist ja nichts unmöglich. Selbst, wenn das Team nicht so gut ist wie vor Jahren.“

Tokyo Tanaka, einer der Wölfe von Man With A Mission resümiert die Leistungen des Teams aus JAPAN: „Ich habe mir vor ein paar Tagen das Spiel gegen Zypern angesehen, und da war unser Team in guter Form. Deshalb hoffen alle Japaner, dass die Mannschaft diesmal etwas erreicht. Was aber nicht leicht werden dürfte. Zumal Brasilien ja der große Favorit ist.“  

Eduardo Makaroff vom Gotan Project schwärmt für sein Heimatland ARGENTINIEN: „Ich bin da vorbelastet, denn mein Sohn und ich sind Barca-Fans – weil Messi dort spielt, und das wunderbarer Fußball ist. Insofern ist die alles entscheidende Frage, ob Messi bereit ist, das argentinische Team zu führen. Denn wir haben zwar tolle Fußballer, aber ich bin mir nicht sicher, ob sie das entsprechend umsetzen können.“

 

Die Pessimisten

Kasabian-Gitarrist Sergio Pizzorno bemerkt die mangelnde Euphorie dem englischen Team gegenüber: „Diesmal nicht, was wirklich selten ist. Denn sonst herrschte ja immer eine große Euphorie, selbst wenn wir wirklich keine Chance hatten. Doch diesmal glaubt keiner daran.“ und auch Paul „Bonehead“ Arthurs von Oasis hat keine große Hoffnung: „Englands Hoffnungen bei der WM? Ich würde sagen, die sind verdammt gering. Im Sinne von: Man würde sich etwas vormachen, wenn man denkt, dass die Mannschaft übers Viertelfinale hinauskommen könnte. Und wenn sie es erreicht, müsste es schon sehr, sehr gut laufen. Aber noch weiter? – Keine Chance! Nicht wenn man sich vor Augen führt, mit wem wir es da zu tun haben.“ Eher zweifelnd klingt auch die Diagnose von Kasabian-Sänger Tom Meighan: “Ich würde es ihnen gönnen – weil es gut für die Nation wäre. Aber ich weiß nicht, wie es funktionieren sollte. Zumal die Hitze entsetzlich ist. Ich fürchte, ihnen wird der nackte Angstschweiß aus den Poren triefen.“ während David Gray noch klarere Worte findet: „Wir sind am Arsch. Ich glaube nicht, dass wir die Gruppenphase überstehen. Gott, das wäre eine Überraschung. Aber es wird nicht passieren.“

 

Ein wenig skeptisch ist Linkin Park-Bassist David „Phoenix“ Farrell hinsichtlich der Gewinnchancen für das Team der USA: „Na ja, wir sind in einer Gruppe mit Portugal, Ghana und euch. Was bedeutet, dass wir ein Land rausschmeißen müssen. Wobei ich zwar nicht glaube, dass die USA und Ghana weiterkommen, aber es will auch keiner hinter uns landen. Insofern würde ich sagen: Wir schlagen Portugal.“ und auch Patrick Carney von The Black Keys rechnet mit keinem US-Sieg: „Ich habe keine Ahnung wer gewinnt. Aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass die USA nicht gewinnen werden.“

 

Eher schlechte Thesen werden auch über das Team aus ENGLAND gehegt. Während Muse-Sänger Matthew Bellamy noch leise Hoffnung hegt: „Ich denke, sie haben eine gute Chance, bis ins Viertelfinale, vielleicht auch ins Halbfinale vorzustoßen. Doch um das dann auch noch zu gewinnen, müssten sie schon ein Riesenglück habe. Und besonders in Acht nehmen sollten sie sich vor Frankreich, Italien und natürlich Deutschland.“, sieht Lilly Allen schwarz für das UK-Team: „Schrecklich! Die kommen nicht über die Gruppenphase hinaus.“

Dem Fußball abgeschworen…

… hat hingegen Midge Ure von Ultravox: „Oh Gott, ich hasse Fußball. Der einzige Grund, warum ich mich ein bisschen damit auskenne, ist meine Frau. Sie ist ein großer Fan von Manchester United, und das seit frühester Kindheit. Von daher werde ich quasi dazu gezwungen, mir diverse Spiele anzuschauen. Aber bei der WM ist Schottland ja nicht dabei. Und insofern kann ich nur sagen: Würden wir gegen England spielen, dann finge das schottische Blut in mir an zu kochen. Dann wäre ich dabei. Aber die WM? Findet die überhaupt statt? Kriegen sie die Stadien rechtzeitig fertig? Und was ist mit den Ausschreitungen und den Leuten, die sich gegenseitig mit Tränengas bekämpfen? Ich fürchte, es wird mehr Action vor als in den Stadien sein.“

Und auch Slash kann sich nur wenig für die Fußball-WM begeistern: „Ich mag Fußball. Aber die WM verfolge ich allenfalls am Rande, weil ich einfach nicht die Zeit habe, mir jedes Spiel anzusehen. Wo findet das Ganze überhaupt statt? In Brasilien? Ach, das ist doch nett…“

 

Gute Chancen für Deutschland

Einige Künstler rechnen mit einer guten Platzierung oder sogar dem Sieg des deutschen Teams. So findet Pianist Sergio Mendes Komplimente für die Spieler: „Das sind gute Athleten, sie haben Disziplin und arbeiten sehr gut als Team. Insofern sind sie eine Macht, die man nicht leugnen kann. Sprich: Sie sind gut.“

Auch Serge Pizzorno von Kasabian findet positive Worte: „Die Deutschen sind ein bisschen wie Italien: Sie sind immer dabei, sie haben gute Spieler, und deshalb werden sie auch weit kommen – wie immer.“ und sein Bandkollege Tom Meighan ist sogar zuversichtlich für einen deutschen Sieg: „Deutschland wird immer ganz vorne dabei sein. Einfach, weil das eine Fußballnation ist. Das waren sie schon immer. Sie hatten zwar eine sechs- oder siebenjährige Phase, in der das Team mal nicht so gut war. Aber jetzt sind da viele junge Spieler am Start. Deshalb wird Deutschland da auch etwas reißen – einfach weil sie das immer tun. Egal, wo: Wenn es um Turniere geht, sind die Deutschen sehr konzentriert. Und selbst wenn ihr es noch nicht wisst: Es kann verdammt noch mal sein, dass ihr gewinnt.“


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