The Presidents Of The United States Of America


Irgendein schlauer Mensch (dessen Name in meinem Alzheimer-File schmort), sagte einmal „I don’t like comedians!“ Ich schließe mich dem an. Komiker, Clowns, insbesondere Musikclowns finden bei mir kaum Bewunderung. Die Frage, ob auch die Presidents Of The United States Of America, Seattles allerjüngster Exportartikel, unter diese Kategorie fallen, drängt sich nach dem Sichten ihrer Videos zu ‚Lump‘ und ‚Peaches‘ auf und bejaht sich eigentlich von selber. Nach Hören der gesamten CD und einem Interview mit der Band kamen Zweifel auf: Ist doch mehr als purer Klamauk an ihnen dran? So schön hatten sie geredet. Dave Dederer, der Gitarrist, der unweigerlich an Talkshowgott David Letterman erinnert (erst recht, nachdem er zugibt, „fanatischer Golfer“ zu sein) und der den peinlichen MTV-Auftritt seiner Band vor dem Mount-Rushmore-Denkmal offenherzig als „abgeschmackt“ bezeichnet, zu dem sie aber „ja“ sagen mußten. Chris Ballew, der kahlköpfige Sänger und Bassist, der so intellektuell-mürrisch über den bösen Kommerz der Plattenindustrie spricht und stolz seine Vergangenheit als Bassist für New Sound-Wunderkind Beck herauskehrt. Jason Finn, der Drummer, der… nee, der sagt eigentlich gar nix, krächzt bloß ab und zu mit verkaterter Stimme… Trotzdem: Fast hätte ich ihnen die Rolle der seriösen Musikusse abgenommen. Wäre da nicht die Show am nächsten Abend gewesen. C’mon guys, das kann doch nicht euer Ernst sein! Nicht, daß das eine schlechte Show war. Der eine oder andere 12jährige hatte bestimmt seine helle Freude an diesem präpubertären Rock’n’Roll-Feuerwerk. Klasse! Heute und an allen anderen Tagen des Jahres ziehen wir nur zwei Saiten auf den Bass und drei Saiten auf die Gitarre. Wir hüpfen wie die Flummis, lassen die Arme kreisen wie einst Pete Townshend, springen vom Podest des Drummers, der jetzt wirklich genau wie „Das Tier“ aus der Muppet-Show trommelt. Wir eröffnen den Set mit einem Cover von MCs’s immergrünem Partykracher ‚Kick Out The Jams‘ und nutzen den folgenden Stage-Dive/-Moshing-Tumult dazu, über eine Stunde lang simple, halbgare Songs zu spielen. Mancher, Sänger Dave inbegriffen, mag die Musik als „straight old fashioned Rock’n’Roll“ (deutsch: „Abgehmucke“) bezeichnen — vorausgesetzt, er will sich selber und die somit beschriebene Musik berechtigterweise disqualifizieren. Sound? Was erwartet ihr bei insgesamt fünf Saiten? Und einem Sänger, der selbst zugibt, nicht singen zu können? Eben. Die Presidents überraschten an diesem Abend nicht als große Musiker, sondern sie zeigten sich als Show-Onkels, eine arme Version von ZZ Top-AC/DC für den alternativen Youngsterzirkel. Eben doch Musikclowns — und zu denen stehe ich… siehe oben.