„„50 Jahre Rock“

Thomas Gottschalk feiert, und Bill Haley dreht sich im Grab herum.

Am 12. April 1954 schlug die „Geburtsstunde des Rock’n’Roll“. Weil an diesem Tag Bill Haley sein „Rock Around The Clock“ aufgenommen hat. Jetzt kann man durchaus der Meinung sein, dass der Rock’n’Roll ein bisschen früher oder vielleicht auch ein bisschen später geboren wurde. Aber was der Rock’n’Roll, egal wie alt er auch sein mag, überhaupt nicht verdient hat: in einer vollkommen unreflektierten, in einer von keiner Sachkenntnis getrübten Weise von einem vermeintlichen Fachmann, dessen Kompetenz darauf gründet, damals in den siebziger Jahren auch ein bisschen Rockmusik gehört zu haben, in einer dreistündigen TV-Show „gefeiert“ zu werden. Thomas Gottschalk verkaufte im April im ZDF in „50 Jahre Rock“ ältliche C-Klasse-Musiker (Shakin‘ Stevens, Gary Brooker, Barry Ryan, Chris Thompson, Bobby Kimball, Leslie Mandoki) als wegweisend und neuere Leichtgewichte (The Rasmus, Reamonn) als zeittypisch. Kein Wort fiel da über Rock als subversive Kraft, kein Ton über Pop als Jugendkultur, als gesellschaftsverändernder Faktor. Ganz im Gegenteil, Pop und Politik hätten ja eigentlich gar nichts miteinander zu tun, delirierte Thomas Gottschalk, der „ewig jugendliche“ Moderator. Und Bill Haley dreht sich im Grab herum.

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