Weil die Eins nicht nur Herbert gehört

Ein Blick in die deutschen Albumcharts.

5. Februar

Beim Blick in die deutschen Albumcharts fühlte man sich an den Januar 1992 erinnert, als Nirvana Michael Jackson von Platz eins der US-Albumcharts verdrängten. Tocotronics „Schall & Wahn“ löste Lady Gagas „The Fame“ an der Top of the Pops ab und thronte somit über Superstars wie P!nk, Alicia Keys und Robbie Williams. Fünfzehn Jahre nach ihrem Debüt „Digital ist besser“ fand sich DIE deutsche Indie-Institution (in ihren eigenen Worten:) „unverhofft in den eisigen Regionen der obersten Chartsplatzierung wieder“. Dennoch war der Vergleich zu 1992 „eher schief als eben“: Schließlich schubste damals ein relativer Newcomer einen durchaus etablierten Act; 2010 verhielt es sich andersherum. Und was 1992 smelled like Zeitenwende, war 2010 – natürlich neben der Qualität von Tocotronics neuntem Studioalbum – auch schlicht der Power einer mächtigen Plattenfirma geschuldet. Seit 2007, nach der Insolvenz ihres Urlabels Lado, stehen Tocotronic beim Riesen Universal unter Vertrag. Der ließ nach einem ersten Anlauf auf die Chartsspitze mit Kapitulation nun gefühlt alle zielgruppenrelevanten Werbeflächen der Republik mit Hinweisen auf den Toco-Release tapezieren und so musste man sich am 5. Februar beim Blick in die deutschen Albumcharts eigentlich nicht wundern. Aber freuen durfte man sich. Zumal die Freude nicht lange halten sollte. Eine Woche später begrüßte man wieder ein altes Gesicht auf Platz eins: das alte Gesicht Peter Maffays. scr

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