Jugendsünde

Platten, für die wir uns heute ein bisschen schämen. Diesmal mit Michael Pilz

Lift

Meeresfahrt

1979

Zu den lächerlichsten Vorstellungen über eine Jugend in der DDR gehört das gleichgeschaltete, verkümmerte Musikleben. Zwischen den Siebzigern und Achtzigern stieß ich in Ostberlin auf den Musiklehrer John Peel. Er unterrichtete im Radio, beim BFBS. Ich mochte Punk und Captain Beefheart. Ostrock hasste jeder, den ich kannte; alle hatten Platten aus dem Westen. Allerdings liebte ich heimlich Lift, ihr zweites Album auf Amiga jedenfalls. Verblüffend offene Lieder über Republikflucht, über Weltreisen. Mit Querflöte und Geige. Schlagerhafter Art Rock aus der Dresdner Musikhochschule. Meine Eltern hielten Meeresfahrt für prätentiösen Zonenmist. Verraten haben sie mich nie. Jetzt ist es raus, es ist verjährt.

Warum wird Iggy Pop nach Dekaden mit einigen Höhen und tiefsten Tälern jetzt verehrt und geliebt wie nie zuvor? Antwort liefert unsere Titelgeschichte über den „Godfather of Punk“. Dem Heft liegt exklusiv eine Vinyl-Single mit Live-Versionen von „The Passenger“ und „Lust For Life“ bei, festgehalten während des 2023er Konzerts beim Montreux Jazz Festival. Die MUSIKEXPRESS-Ausgabe gibt es hier bequem zum Bestellen.