MGMT live in Köln


Indierocks Karatekid und die Träumerin mit dem Tambourine - MUSIKEXPRESS-Leser Jan Wehn berichtet vom MGMT-Konzert im Kölner Luxor, psychedelischen Pilgerreisen und der Vorband Florence And The Machine.

Dumpfe Trommelschläge hallen durch das gut gefüllte Luxor in Köln-Süd. Manch einer wird neugierig und „guckt sich das jetzt mal an“, andere strafen den Bühnenbereich mit Vorband- vorurteilsblicken und nippen weiter an ihrem Bier. Und dann tanzt da – so mir nichts, dir nichts – plötzlich eine Träumerin mit Tambourine – scheinbar völlig unbeeindruckt vom aufgeregten „Endlich Wochenende“-Gebrabbel des Publikums – auf die Bühne und trällert Zeilen wie „You hit me once, I hit you back“ vor sich hin, als könne sie kein Wässerchen trüben. Dabei weiß das burschikose Rotkehlchen mit geblümter Schürze gemeinsam mit ihrer Band Florence And The Machine in zwanzig Minuten alles und jeden im Publikum zu überzeugen – und das nur als Vorband. Merken, das.Nach etwas längerer Umbauphase und Warterei auf Andrew VanWyngarden beehren dann die Herren von MGMT, bestärkt um Gitarrist und Drummer, die wartende Crowd. Und wie es da so spärlich von den roten und grünen Scheinwerfern beschienen wird, erweckt das Quartett den Eindruck, gerade erst den 70ern entsprungen zu sein und sich – die LSD-Plättchen noch auf der Zunge – den gesamten Weltschmerz von der Seele zu spielen. Das dritte Auge dabei immer auf andere Hemisphären gerichtet – orakular und spektakulär zugleich. Songs wie „Electric Feel” werden mit scheinbar nicht enden wollenden Gitarrensoli versehen und schicken den Fan auf eine psychedelische Pilgerreise zwischen Goa und Beatnik, ohne den Blick für 2008 zu verlieren.Bei der Zugabe – „Kids“ – offenbart sich dann aber auch, dass die Hälfte der Gäste eher wegen dem raffinierten Singlepicking seitens Columbia Records und nicht unbedingt wegen dem – nicht unbedingt so eingängigen – Album ORACULAR SPECTACULAR gekommen ist. Der Beat vom Band, das Mikro in der Hand, wirkt Andrew VanWyngarden, als sei es ihm unangenehm, einen eher simpel strukturieren Song bzw. Hit zu präsentieren. 3 ½ Minuten später sind die klatschenden Hände des Luxorpublikums wieder unten und Indierocks Karatekid fühlt sich sichtlich wohler.Die zehnminütige Synthiejamession zum Schluss des Abends unterstreicht noch einmal, wofür MGMT eigentlich stehen: verworrener Psychedelic-Pop – fernab von juvenilem NewRave- Hitgeplänkel für die Massen. Aber wir befinden uns ja eh in Zeiten, in denen man gerne Scheinbares vorgibt. „Time To Pretend“ halt.

Jan Wehn – 14.05.2008