Nucleus – Alleycat

Die Sache ist einfach die: Wenn meine heißgeliebten Rocker nichts mehr bringen (selten haben sie so wenig gebracht wie in diesem Frühling), dann finde ich meist Trost bei den sogenannten Rockjazzern, was immer dies bedeuten mag. Die „hohen C’s“ -Corea, Clarke, Cobham, Coryell – und ihre Kollegen erschlagen mich dann mit Musik, die ich ab und zu nicht ganz verstehe, nichtsdestotrotz aber gut finde. Nur lassen mich diese Typen in letzer Zeit öfters kalt – im Gegensatz zu Nucleus. Wo nämlich die genannten Interpreten in letzter Zeit anscheinend jedes Solo mit Stopuhr und Bandmaß begutachten und dem Hörer mit Instrumental-Akrobatik oberhalb des dreifachen Salto einheizen, da scheinen sich Nucleus zwischendurch auch mal ein Bier zu genehmigen. Gewiß, die Coreas und Coryells spielen technisch weitaus brillianter, aber Nucleus vermitteln dafür auch mal Zeit zur Entspannung, zur Vorbereitung auf den nächsten Höhepunkt. Wesentlich trägt dazu bei, daß kaum ein Nucleus-Musiker demnächst in Musik-Polls auftaucht: Roger Seilers und Roger Sutton ziehen mitunter minutenlang den gleichen Rhythmus durch, Geoff Castle (keyb) und Ken Shaw (g) spielen gedämpft und ohne Weltmeister-Ambitionen, Ian Carr (tp) und Bob Bertles (sax) blasen dazu feine Melodiebögen, des öfteren unisono. Diese Gewaltenteilung gibt der Nucleus-Musik eine Transparenz, die sich angenehm vom Rockjazz-Overkill anderer Interpreten abhebt. Das Ganze ist keineswegs weltbewegend, aber mit „Phaideaux Corner“, „Alleycat“ und „You Can’t Be Sure“ bringt’s Ohrwürmer, und das ist eine Rarität im Rockjazz.

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