John Zorn – Naked City

Nach dem Frontalüberfall vom letzten Jahr mit freejazzvergifteten Ornette-Coleman-Pfeilen im Köcher greift Big John nun wieder überraschend aus dem musikalischen Hinterhalt an – um „die Vorstellung zu zerstören, daß klassische Musik besser ist als Jazz und dieser wiederum besser als Rock“. Also: Stilpluralismus wie gehabt, aber diesmal nicht ganz so wild gemixt – Zorn nimmt die Zutaten etwas ernster. Die Herren aus Naked City demonstrieren, daß sie wie ordentliche Studiomucker alle Genres der U-Musik draufhaben, kompetent und dabei auch noch lustvoll. Dennoch ist hier mal wieder das Ganze mehr als die Teile – wenn es tatsächlich schlicht um Blues, Reggae oder Balladen ginge, gäbe es nämlich noch überzeugendere Aufnahmen. Zorns Saxophon spotzt, blubbert und fiepst durchaus prächtig, Fred Frith macht auch als Bassist eine gute Figur, und der Rest der Band paßt ebenfalls ins Konzept: Drauflosbrausen und aus voller Fahrt mal hart auf die Bremsen steigen, mal plötzlich die Böschung runterlenken oder ganz unverfroren ein Stückchen im Mainstream dahingleiten – everything goes.

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