Mike Oldfield :: Tubular Balls II

Über Geschmack läßt sich bekanntlich streiten, Mike Oldfields Monumental-Werk macht da keine Ausnahme. Ist Tubular Beils II klassische Musik für elektronisches Instrumentarium oder aufgeblasener Pomp für ein kulturbeflissenes Pop-Publikum? Soviel steht fest: Oldfields Fortsetzungswerk ist hochklassige Instrumentalmusik, durchkonzeptioniert bis zum letzten Halbton. Das ehrwürdige Edinburgh Castle verbreitet die possende Atmosphäre. Doch der beträchtliche technische Aufwand, zahllose Musiker und ein jubilierender Chor grenzen an reizüberflutenden Overkill — eine orchestrale Kalorienbombe. Selbst Maestro Oldfield scheint das gewichtige Treiben vor eindrucksvoller Kulisse nicht ganz geheuer: Der schüchterne Enddreißiger meidet den Blick in die Kamera wie der Teufel das Weihwasser. Hörenswert ist der dick aufgetragene Klang-Marathon ollemal, der sommerlichen Live-Aufführung beizuwohnen, war sicher ein opulentes Erlebnis. Als 65minütige Bildkonserve ist Tubular Beils II jedoch von zweifelhafter Qualität: Endlos dudelnde, fidelnde, stöckeschwingende und tastendrückende Musikanten im Stadium der höchsten Konzentration riechen nach angegilbtem Kulturprogramm.

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