Danny L Harle

CERULEAN

XL/Beggars/Indigo (VÖ: 13.2.)

Diese aus Fragmenten der 90er-Jahre geformten Hyper-Rave-Hymnen kochen Gehirne weich.

„Das ist mein Debütalbum“, beteuert Danny L Harle, den man bisher als Teil des Kollektivs und Labels PC Music wahrgenommen hat, zudem als jemanden, der hinter den Kulissen mit Charli xcx oder Dua Lipa arbeitet. Allerdings ist CERULEAN gar nicht sein Debüt, womöglich will er seinen Erstling bewusst ausblenden, weil er diesmal die Hohepriesterinnen des Hyperpop eingeladen hat: pinkpantheress, Oklou und Caroline Polachek versüßen seine ADHS-Rhythmen mit euphorischen, pappsüßen Melodien und ihren exzessiv gefilterten Stimmen.

Harler ist mit den Dance-Sounds der Neunzigerjahre aufgewachsen, mit Happy Hardcore und Trance, die er jetzt neu aufbereitet und in den postmodernen Verwertungskosmos einspeist. Ähnliches kennt man von dem Mailänder Lorenzo Senni, der Fragmente aus cheeesigen Trancehymnen zu „Pointilistic Trance“ formt. Harle will mehr: Der Londoner klopft sich auf Albumlänge durch Four-to-the-Floor-Core: Computerspielsounds, Bachsonaten und schummrige Trance-Effekte meißeln sich mit Gefiepe und Geflöte ins langsam weichkochende Hirn.

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Oft klingt das erstaunlich toll, wie in „Starlight“ mit pinkpantheress, einem Rave auf dem Planeten Barbie. Mitunter jedoch lehnt er sich zu weit aus dem Fenster, „Lalala“ etwa wird mittels Akkordeon zu Lambada auf Schlumpfdroge. Nach rund 40 Minuten Überzuckerung braucht man zwar ein Gegengift, glücklich ist man aber trotzdem.

Diese Review erscheint im Musikexpress 3/2026.