Kapa Tult
IMMER ALLES GLEICHZEITIG
Ladies&Ladies/Broken Silence (VÖ: 13.2.)
Empowernder Durchdrehrock aus Leipzig, der heftig scheppert.
Habe ich überhaupt schon mal gehört, dass eine deutschsprachige Band auf EINER Platte gleichzeitig davon singt, wie es sich anfühlt, wenn eine geliebte Person gestorben ist, und niemand wirklich darüber reden will („Niemand“), und wie es ist, vergeblich nach authentischer Romance im öffentlich rechtlichen TV zu suchen („ARD Mediathek“)? Ich glaube nicht.
Kapa Tult sind in der Lage, alle Themen des Lebens so zu bespielen, dass keinerlei Cringe, aber zustimmendes Nicken aufkommt. Die Leipziger stellen sich an den Rand des Spielfelds und schauen den Sportlichen beim Sich-Abrackern zu, ohne zu werten. Es wird beobachtet und schließlich das beschrieben, was offen zu Tage liegt. Allerdings mit ordentlich Schalk im Nacken. Das Gefühl von Fremdheit in dem, was das Gros als Normalität bezeichnet, wabert durch alle Songs des Albums, wobei die Klarheit der Stimmen und die Schnörkellosigkeit des fröhlichen Elektroorgel-Rock, der hier meistens das musikalische Transportmittel ist, eben immer wieder verhindern, dass Weinerlichkeit, unreflektierter Hass und Selbstmitleid die Oberhand gewinnen.
Es geht um unzuverlässige Liebespartner:innen, Stillstand in der bundesdeutschen Politik, Datingmüdigkeit und das Ausmachen von temporärer Ödigkeit in dem, was eigentlich die aufregende Jugendzeit sein sollte. Die beste Zeit des Lebens also. Schnell, mit leichter Hand wurde dieses Album aufgenommen. Produzent Moses Schneider (Beatsteaks, Tocotronic) ist zum Glück immer dann zur Stelle, wenn es darum geht, Bands mit großem Livepotenzial unter seine Fittiche zu nehmen. Nur fünf Tage war er mit Kapa Tult im Studio, gab den Bangern das Hymnische und den leisen Tracks das Intime mit. Meine Damen und Herren, in diesem Sommer hoffentlich auf allen Festivalbühnen: Kapa Tult!
Diese Review erscheint im Musikexpress 3/2026.



