Momoko Gill
MOMOKO
Strut/Indigo (VÖ: 13.2.)
Abstrakter TripHop, der über den Moment hinaus schillert.
Hell und dunkel und opulent und klein und fein. Das Debüt von Momoko Gill vergrößert noch einmal das Spektrum der in London lebenden und arbeitenden Drummer-Sängerin, das sich mit Beiträgen zu Aufnahmen von Alabaster DePlume oder Tirzah zuvor schon weit geöffnet hatte. Die mit Matthew Herbert und den Mitteln zeitgemäßer Elektronik im vergangenen Jahr für das gemeinsame Album CLAY angefertigten Songs changierten noch elegant zwischen Pop, Jazz, R’n’B und Dub.
Jetzt spielt Momoko Gill einen sehr dunklen Sound, eine Art abstrakten TripHop, den man nicht von der Musikerin und Produzentin erwartet hatte. In zwei Tracks, die sie solo bestreitet (Drums und Programming), fallen ihre Beats auf schwere und teilweise gebrochene Klangflächen, bei „Test A Small Area“ sind das Samples aus einem Video der israelischen Armee.
Jetzt spielt Momoko Gill einen sehr dunklen Sound
Der Gaza-Krieg ist auch die Folie, auf der sich die Vorabsingle „When Palestine Is Free“ bewegt, mit einem 50-köpfigen Chor, in dem zahlreiche Buddies der New-Jazz-Gemeinde auftauchen, Shabaka Hutchings, Soweto Kinch, Ruth Goller etwa. Ein hüpfendes Jazz-Stück, in dem Gill zu Heilung und Solidarität aufruft („Wir sind nur frei, wenn Palästina frei sein wird“), die Melodie dazu ist Musical-verdächtig.
Mit dem fließenden Klanggemälde „Satellite“ zu Beginn und der souligen Ballade „Ineffably“ zum Finale setzt die Britin ihre Geschichten gekonnt in einem Wechselrahmen – dazwischen schillert es über den Moment hinaus.
Diese Review erscheint im Musikexpress 3/2026.



