Nils Keppel

SUPER SONIC YOUTH

Nils Keppel/RecordJet (VÖ: 13.2.)

Wave-Pop, der die aktuell grassierende Aussichtslosigkeit in kalt schillernde Klänge fasst.

Erster Song: Das Leben ist zu kurz, es wird nie wieder Sommer, und „unsere kurze Jugend rinnt wie Sand durch die Finger“. Der zweite Song heißt „Keine Zukunft“, und im dritten läuft im Kinderzimmer „Natural Born Killers“. Für die Jüngeren: Das ist ein Film aus dem Jahr 1994, und dass sich Nils Keppel im Titel seines Debütalbums auf eine prägende Band der 80er-Jahre bezieht, ist auch kein Zufall. SUPER SONIC YOUTH hätte mit dem grundsätzlichen Thema Teenage Angst, seinen verhallten Gitarren und dem donnernden Schlagzeug gut auch in den späten 80ies, frühen 90ies erscheinen können.

Das liegt sicher auch an Produzent Lukas Korn, der schon für Drangsal oder Mia Morgan gearbeitet hat. Das passt aber vor allem gut, denn so wie damals guckt sich heute wieder eine Generation um, sieht Kriege, Umweltkatastrophen, gesellschaftlichen Niedergang – und hat das Gefühl, ihr Leben, das eigentlich gerade los gehen sollte, ist schon wieder vorbei.

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Während sich übersteuerte Rückkopplungen ins Innenohr fräsen, singt der in Leipzig lebende Pfälzer Keppel lakonisch von Selbstmordfantasien und „Platzangst“, von enttäuschten Erwartungen und von einer „tödlichen Sonne“, von zu vielen Medikamenten und zu wenig Hoffnung. Schließlich zwingt sich Keppel doch noch „Raus in die Welt“, aber geht dann „verloren, bis alles zerfällt“, und fragt sich: „Wo sollen wir hin?“ Gute Frage, auf die diese Musik ehrlicherweise keine Antwort gibt, aber gerade deshalb Trost spendet.

Diese Review erscheint im Musikexpress 3/2026.