Hen Ogledd

DISCOMBOBULATED

Weird World/Domino (VÖ: 20.2.)

Freidrehender Prog-Protest-Folk mit Ohrwurm-Qualitäten.

DISCOMBOBULATED, zu Deutsch: durcheinander, verworren, ist ein herrlich lautmalerisches Adjektiv. Es passt auch zum Spirit von Hen Ogledd. In Streaming-Zeiten, in denen man seine Hookline schnellstmöglich auswirft, steigt das – nach der walisischen Bezeichnung für den alten englischen Norden benannte – Quartett, zu dem auch Richard Dawson zählt, erst mal in die selbstgebastelte Fantasie-Ritterrüstung und schwingt das Laserschwert. Eine Kinderstimme erzählt, analoge Synthesizer flöten, ein Schlagzeug und ein Saxofon drehen frei, der Wind rauscht, es erklingt walisischer A-cappella-Gesang und Spoken Word auf Finnisch.

Und in der achtminütigen Single „Scales Will Fall“ rappt Dawn Bothwell wütend gegen „corporate greed“ und „war lords“, bevor sich Trompete und Noise-Gitarre wild duellieren. Das Stück funktioniert trotzdem, weil es von einer hymnischen Folk-Melodie zusammengehalten wird, die man sofort laut mitsingen möchte.

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Das ist die Magie von Hen Ogledd: Zwischen freejazziger Improvisation, psychedelischer Verspieltheit und folkloristischer Reduktion stecken genügend Ohrwürmer, um anderweitige Über- und Unterforderungen wettzumachen. Und obwohl akustisch aus Raum und Zeit gefallen, stehen die Briten lyrisch mit einem Bein im Hier und Jetzt. Am Fuß: eventuell ein Schnabelschuh.

Diese Review erscheint im Musikexpress 3/2026.