The Wave Pictures
GAINED/LOST
Bella Union/Bertus (VÖ: 27.2.)
Modernisierter 60ies- und 70ies-Rock im Indie-Kosmos.
Da ist der Typ, der ans Meer fährt und auf Eiscreme für alle sowie die Erfüllung anderer Sehnsüchte hofft. Da ist das Haus, gestrichen in schwermütigem Blau. Und da ist die Vergangenheit, die sich immer wieder von hinten anschleicht, um die Gegenwart zu trüben. Willkommen in der Welt der Indie-Folk’n’Blues-Band The Wave Pictures, in der wenig funktioniert, die Hoffnung aber intakt bleibt.
Beim Song „Sure & Steady“ erinnert sich Songwriter, Sänger und Gitarrist David Tattersall an Niederträchtigkeiten, die er als Kind erlebte. Sicher und beständig waren nur die Augen eines Mädchens – und die Musik, die ihn schon damals umgab. Bei den Wave Pictures sind Songs und Alben, Filme und Bücher nicht nur systemrelevant. Sie sind Lebensretter. Die Band aus dem Dörfchen Wymeswold (zwei Pubs, ein Supermarkt, jährliches Highlight: ein Entenrennen) veröffentlicht seit Anfang der Nullerjahre, und gut ist das Trio immer dann, wenn es sich nicht zu sehr dazu hinreißen lässt, zu jammen und zu gniedeln.
Klar, die Band spielt brillant zusammen. Aber wenn Soli zum Selbstzweck werden, wird’s langweilig. Zuletzt haben die Wave Pictures das Tempo ihrer Veröffentlichungen gedrosselt. GAINED/LOST profitiert davon, das Songwriting ist so gut wie nie. „Alice“ (der Refrain!) und „Samuel“ (die Geige!) sind Hits, „Faded Wave Pictures T Shirt“ ist eine großartige Erzählung über verblasene Erinnerungen – und klingt wie Galaxie 500 im Surfurlaub an Englands Ostküste.
Diese Review erscheint im Musikexpress 3/2026.

