Broken Social Scene
REMEMBER THE HUMANS
Arts & Crafts/City Slang (VÖ: 8.5.)
Nie weg und trotzdem wieder da: Das Indie-Rock-Kollektiv aus Toronto klingt noch erwachsener.
Von einem Comeback kann man eigentlich nicht sprechen, denn so richtig weg waren Broken Social Scene nicht. Seit der Veröffentlichung ihres letzten Albums HUG OF THUNDER (2017) waren die einzelnen Mitglieder des kanadischen Kollektivs mit ihren eigenen Projekten beschäftigt, zusammen und einzeln auf Tour – und haben, wie sie selbst erzählen, die letzten Jahre damit verbracht, an diesem neuen Album zu arbeiten.
Fast dreißig Jahre ist die Gründung der Band, von der nie ganz genau klar ist, wie viele Mitglieder sie aktuell hat, her. Aber Bock hat die Crew um Impresario Kevin Drew immer noch, nur klingen sie heute etwas arrivierter, etwas entspannter – man könnte sagen: erwachsener. Bläser tröten auf fast jedem Song, es knirscht und knallt, vielleicht um in Zeiten von KI-generierter Musik und Plug-Ins, die den Sound perfektionieren, jetzt erst recht das Menschliche herauszustellen. Neben Kevin Drew sind unter anderem auch Andrew Whiteman, Hannah Georgas, Lisa Lobsinger und natürlich Leslie Feist wieder dabei, unter anderem.
So lang wie die Mitwirkendenliste ist, so dicht gestrickt sind auch die Arrangements, bei denen keine Instrumentenklasse zu kurz kommt. Ihrem Maximalismus bleiben Broken Social Scene treu, auch wenn sich ihre Themen verändern: es geht um Tod und Vergänglichkeit, Veränderung und eine Welt im Wandel. Themen, die sich in der Mitte des Lebens aufdrängen. Eingefasst in schillernde Popjuwelen wie das von Feist angeleitete „This Briefest Kiss“ klingt aber sogar die Qual des Älterwerdens verdammt gut.



