Max Turner – „SEED OF THE UNKNOWN“: Stille nach 20 Jahren
Die monochromen Elektro-Lieder des Puppetmastaz-Gründers sind aus Raum und Zeit gefallen.
Vor etwa 30 Jahren gründete Max Turner in Berlin mit Chilly Gonzales die Puppetmastaz, ein wild-beknacktes HipHop-Spektakel mit rappenden Handpuppen. Gonzales wurde zum Superstar, die Puppen touren immer noch durch die Welt, von Turner indes hat man 20 Jahre lang keinen Mucks gehört. Eine Zeit verbrachte er in Indien, studierte dort karnatischen Gesang und komponierte Lieder auf der Gitarre, die er nun auf dem Laptop umgesetzt hat.
Turners Klangarchitektur kommt mit erstaunlich wenigen Ingredienzien aus: Neben seinem kontemplativen Gesang reichen ein paar dekorative Synthflächen und (vermutlich digital erzeugte) antik tuckernde Rhythmusmaschinen. Weit entfernt von der Hysterie der Puppetmastaz wird man auf SEED OF THE UNKNOWN in gelassenem Tempo durch atmosphärische Lieder getragen. „I love you time, I love you space“, singt er in „Time And Space“, was auch zum Credo dieser vermeintlichen Analog-Reverie taugt.
Turner lässt sich Zeit – mit diesem Album und auf diesem Album. In elf monochrom gefärbten elektronischen Liedern verhandelt er Fragen, die man hat, wenn man so vor sich hinlebt – etwa, wie es wäre, niemals zu sterben („Forever’s Child“). Auf SEED OF THE UNKNOWN finden sich keine Songs, sondern Lieder. Lieder, die seltsam vertraut klingen, aber so in dieser Konsequenz und Stringenz wahrscheinlich noch nie gemacht wurden.