Odd Beholder – „HONEST WORK“: Arbeit, kalt serviert
Dunkelkühler Elektro-Art-Pop auf den Spuren der schönen neuen globalen Arbeitswelt.
Daniela Weinmann alias Odd Beholder mag Konzepte. Auf ihrem vierten Album beleuchtet die Schweizerin vielschichtig die Überforderungen und globalen Verstrickungen unserer Arbeitswelt, in der sie ihrerseits mehrgleisig fahren muss, um über die Runden zu kommen. So geht es um die menschlichen und ökologischen Folgen unserer Online-Aktivitäten am Beispiel einer Niedriglohnkraft in einem energiehungrigen Datenzentrum „that turns fishing grounds into streams“ („Internet Famous“). Dazu kühlen Weinmann und Techno-Producer Douglas Greed die endlosen Reihen blinkender Server auf einen frostigen, eingängigen Disco-Noir herunter.
Es bleibt einer der wenigen Club-tauglichen Tracks auf einer Platte, deren Elektro-Pop sich mit Wave-Synthies und zarten Breakbeats sonst eher in den arty Gefilden einer Jenny Hval bewegt. Einen Ausbruch, auch lyrisch, markiert der überraschend druckvolle Indie-Pop von „Drive“. Am berührendsten: „Like A Chore“, das zärtlich und traurig zugleich die Perspektive einer arbeitstätigen Mutter einnimmt.
Am Ende, zur „Night Shift“, sorgen Regenplätschern, tickender Beat und verhangener Gesang für somnambule TripHop-Atmosphäre. Der Feierabend scheint nah. Und es kommt sogar ein Hauch Wärme auf.