David Eugene Edwards – „MERCURIAL SILENCE“: Aufgeräumter Wahnsinn

Der Vorzeige-Irre des Indie tanzt mit jahrtausendealten Göttern.

Eins muss man David Eugene Edwards halt lassen: Diese Stimme hört man immer wieder heraus aus Tausenden. Und sie verliert ihren Reiz nicht, denn keiner anderen ist der rasende Priester dermaßen eingeschrieben. MERCURIAL SILENCE ist – neben dem ausufernden Katalogen seiner Bands 16 Horsepower und Wovenhand – das dritte Album unter eigenem Namen – und durchaus eine leise Überraschung.

Denn zwar geht es um einen Wolkenwolf, um „Hexameter“, um einen mythischen Retter, um jahrtausendealte Götter aus dem Zweistromland und die Seelen heiliger Kühe, um die ganz deepen Dinge also, und das immerzu und überall und zu jeder Zeit, denn die Stimmen im Kopf, die gehen halt einfach nicht weg. Aber musikalisch zeigt sich der Vorzeige-Irre des Indie-Rock so aufgeräumt und kongruent wie lange nicht mehr.

Waren viele Veröffentlichungen zuletzt eher unkonzentriert und erratisch, nimmt Edwards in Songs wie „Flaxstaff“ nun sogar wieder das Tempo auf, das man von 16 Horsepower kannte, Banjo inklusive, und der Wahnsinn wird wieder zu einem galoppierenden. In „Geush Urvan“ findet diese Konzentration dann zu einer fast sonnigen Melancholie. Näher kommt David Eugene Edwards einem Sommersong vermutlich nicht wieder.

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