ZackiBoy – SOFTY: Naivität als Tarnkappe
Fröhlich-depressive Elektropop-Nachdenkereien zwischen Kneipengängen und Linksaktivismus.
Thorben Kaiser, jener Tausendsassa mit Skills in Sachen Rhymes und dem Mut, schutzlos in die Welt hineinzurufen, ist ZackiBoy. Er ist schon seit Jahren ein fantastischer und genauer Beobachter bestimmter Blasen, die sich aus Werbetexterei, Kneipengängen, Linksaktivismus, Familienangelegenheiten, Vinyl, Freundschaft sowie Traurig- und Fröhlichkeit speisen. Seine Nachdenkereien münden oft in musikalischen Vignetten – in catchy Stücken, die auf den ersten Blick naiv-lustig wirken, auf den zweiten allerdings depressive Welten, Verlorenheit und Überforderung auf einer Nebenspur beschreiben.
Dass das eine große Kunst ist, wissen wir spätestens seit Andreas Dorau (der auf dem Track „Immer ehrlich“ zu hören ist) oder der leider bereits verflossenen Band Schnipo Schranke. Auf seinem Debütalbum SOFTY spielt Kaiser nun das durch, was sein persönliches Leben in all seinen Facetten aus- und mühsam macht, und gibt uns Hörer:innen ganz nebenbei nützliche und berührende Handreichungen. In „Gute Laune“ werden zum Beispiel die schönen und lästigen Abläufe seines Alltags aufgezählt und gleichzeitig das Ringen um Positivität und der unbedingte Wille zum Glücklichsein als mitunter anstrengend benannt.
In „Paare“ heißt es, um den entbehrlichen Stress in Beziehungen zu beschreiben: „Was ist das für ’ne Rechnung, was ist das für’n Paket? Mit wem hast du gesprochen, hast du ein Tête-à-Tête?“, um anschließend, nach der unausweichlichen Trennung, der Erleichterung Ausdruck zu verleihen, lebend aus all dem herausgekommen zu sein. Hier wird Pärchenalltag verarbeitet, dass sich die Balken biegen. Musikalisch bewegt sich SOFTY im Bereich prickelnder DIY-Pop mit Anspruch und hintergründigem Witz. Ein großer Spaß, aber auch ein Aufrauschen melancholischer Gefühle. Echt toll, echt gehaltvoll!