Doublespeak – DOUBLESPEAK: Legenden übertünchen ihre Feinheit
Zwei Synthpop-Legenden messen sich mit dem eigenen Erbe.
Retro-Synth-Pop war ein interessantes Phänomen der 2010er-Jahre. Man erinnert sich an Indie-Acts wie Kavinsky oder Class Actress, die analogen Synthesizern besseren Output als manches Vorbild aus den Achtzigerjahren entlockten. Nun haben sich genau diese Vorbilder jener Ära, die Synth-Pop-Legenden Vince Clarke (Depeche Mode, Yazoo, Erasure) und Neil Arthur (Blancmange) mit einem Producer namens Benge zusammengeschlossen, um sich anhand von elf Coverversionen mit dem eigenen Erbe zu messen.
Arthur hatte bereits in den 80ies einen Song für Clarkes Projekt The Assembly aufgenommen, der jedoch nie veröffentlicht wurde. Erst 2017 kam er wieder auf Clarke zu, sieben Jahre sollten sie daran arbeiten, ihren Lieblingssongs ein analoges Denkmal zu setzen. Darunter finden sich viele bereits im Original mit analoger Elektronik ausgestattete Stücke, wie etwa Fad Gadgets „Back To Nature“. Und so verwundert es kaum, dass die Doublespeak-Version dem Original nichts hinzufügen kann, außer ein paar Effekten und etwas mehr Wumms.
Die Originale wurden wild kuratiert, von Post-Punk (Young Marble Giants) über Euro-Pop (Abba) bis Country (Glen Campbell) ist viel Kurioses im Angebot. Aber docken sie damit an das Klangbild von Blancmange oder Yazoo von 1982 an? Nö. Was damals filigran war, wird heute angedickt, der Sound ist durchgängig fett, klebrig und mitunter eindimensional.