Bedouine – NEON SUMMER SKIN: Flucht, sanft eingebettet
Mit großer Wärme erzählt die Singer/Songwriterin von Vertreibung und Verlust.
Seit 2017 trägt Azniv Korkejian eine Hypothek mit sich herum. Damals glaubte die ehrwürdige „New York Times“ in ihr eine „future legend“ erkannt zu haben. Dieser Prophezeiung läuft die Singer/Songwriterin, die sich Bedouine nennt, seitdem hinterher, entwickelt dabei aber – wie sie mit NEON SUMMER SKIN erneut beweist – eine erstaunliche Ruhe. Geradezu einschläfernd sind die Rhythmen, selbst „Always On Time“ ist kein hektisches Hohelied auf die Pünktlichkeit, sondern klingt eher wie ein Wiegenlied.
Ob Klavierballade oder Midtempo-Melodrama, diese Musik ruht in sich selbst, und auch der Sound ist warm und wohlig wie eine herzliche Umarmung. Dieser Effekt wird verstärkt durch die üppiger ausgestattete Instrumentierung. Nach eher spartanischen Anfängen, in denen Bedouines Stimme oft allein von Piano oder Gitarre begleitet wurde, polstern nun Streicherarrangements und Synthieflächen die Stimmung aus.
Doch unter der behaglichen Oberfläche brodelt es, da verarbeitet Korkejian eine dramatische Fluchtgeschichte, die ihre Familie durch Armenien, Syrien und Saudi-Arabien schließlich in die USA geführt hat. Dass die 40-Jährige zuletzt im Nahen Osten auf den Spuren ihrer Wurzeln war, hat sich musikalisch zwar nicht dramatisch niedergeschlagen, arabische Einflüsse sind so gar nicht zu hören auf NEON SUMMER SKIN. Aber ihre Eindrücke aus Ländern, die immer noch von Kriegen zerrüttet sind, mündeten in Texten, die von Verlust und Neuanfang erzählen, von Entwurzelung und Selbstfindung, von dem Schmerz des Loslassens und den Schwierigkeiten des Neuanfangs – das alles aber in einer erstaunlichen Ruhe.