Deer Tick – COIN-O-MATIC: Rhode Island als Rockoper
Ein eklektischer Alternative-Rock-Soundtrack – mit Geschichtsunterricht und Geschlechtsverkehr.
Der seltenen Spezies des Alternative-Rock-Folk zugehörig, sind Deer Tick auch sonst außergewöhnliche Gesellen. Das beweisen sie mit Gelegenheitsauftritten als Cobain-Erbe-Coverband Deervana oder durch das Auftragen von Black-Metal-Corpsepaint im Clip zur aktuellen Single „Mary Singletary“, die musikalisch eher Soul Asylum als brennende Kirchen auf den Plan ruft, auch wenn darin die Vor- und Nachteile des vorehelichen Geschlechtsverkehrs aus (irisch) katholischer Perspektive diskutiert werden.
Deer Ticks neuntes Album COIN-O-MATIC widmet sich inhaltlich ganz der Historie ihres Heimatstaates Rhode Island – und somit dem Leben der Einwanderer-Dynastien zwischen Heiliger Messe und Mafia. Rockhistorisch beflissen wie Scorsese, aber stilistisch breit aufgestellt bedient sich die Band auf ihrer ersten eigenproduzierten Platte eines eklektischen Soundtracks zur Illustration. Da steht College-Rock selbstverständlich neben Classic-Rock und dürfen Springsteen-, Costello- und The-Replacements-Referenzen ebensowenig fehlen wie Soul-Verweise („Sweetest Thing“) oder aufgedrehter Doo Wop („507 Smith“).
Dass „Exit Door“ fast so klingt, als wäre der Mitsiebziger-Dylan in die Aufnahmen zum Auftaktsong des Sitcom-Klassikers „Cheers“ gestolpert, verwundert kein bisschen. Eines ihrer besten Alben.