Album der Woche

Vince Staples – CRY BABY: Rap als Gesellschaftsdiagnose

Fieberhafter Rap, der die innere Zerrüttung der US-amerikanischen Gesellschaft offenlegt.

„America the Beautiful / I like to take a look at you“, so umreißt Vince Staples auf seinem Song „Only In America“ das inhaltliche Programm seines neuen Albums. Dessen Titel deutet an, wie dem in Long Beach geborenen Rapper nach eingehender Auseinandersetzung mit dem Zustand seines Landes zumute ist: CRY BABY. Während sich Staples auf seinem letzten, allgemein hochgepriesenen Album DARK TIMES noch an eine schonungslose Introspektion seines durch Kriminalität und Armut gebeutelten Selbst machte, fokussiert sich CRY BABY nun vor allem auf das Außen.

Damit geht auch eine Veränderung des Sounds einher: Staples nuschelt sich nicht mehr durch die Zeilen, sondern rappt in einer zum analytischen Anspruch passenden Klarheit, ohne Parolen und immer intelligent. Und auch die Beats gewinnen an Eigenständigkeit, tauchen in rockige Gefilde ein und unterstreichen in ihrer fiebrigen Zerfahrenheit die Diagnose einer vor inneren Spannungen pulsierenden US-amerikanischen Gesellschaft, die geradewegs ins Chaos zu schlittern droht.

Vom Fenstersims aus wohnt Vince Staples dieser Zerrüttung bei – wohl wissend, dass er sich ihr doch nicht entziehen kann.

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