Album der Woche

The Bobby Lees – NEW SELF: Finanziert vom Khal

Die Punk-Rock-Freunde von Khal Drogo hauen 20 Minuten lang vor allem zornige Energie raus.

Manchmal, wenn gar nichts mehr geht, braucht man halt den muskelbepackten Anführer eines furchterregenden Reitervolkes. Oder wenigstens dessen Darsteller. Als The Bobby Lees eine Pause einlegen wollten, weil es trotz großem Kritikerlob mit den Finanzen nicht so richtig voran ging, meldete sich der Schauspieler Jason Momoa, berühmt geworden als Khal Drogo in „Game Of Thrones“, und half das vierte Album der 2018 gegründeten Band aus Woodstock, New York, zu finanzieren.

Dem Khal sei Dank gibt es nun also NEW SELF, und tatsächlich hätte man diese vor wütender Kraft und ansteckender Energie strotzenden Songs vermisst, die versiert zwischen Rage Against The Machine, Chili Peppers und Beastie Boys hin und her torkeln. So aufgebracht und irrwitzig und eindringlich wie Sam Quartin im Titelsong hat lange niemand mehr über ein Leben am Rande des Wahns gesungen, während die Gitarre tiefe Furchen in die Seele gräbt. „I just keep on gettin‘ fucked“, spuckt die Frontfrau in „Napoleon“ aus – und es klingt trotz des angewiderten Tonfalls eher wie eine Feststellung.

In „50 Ft“ laufen Bassistin Kendall Wind und Drummer Macky Bowman zu großer Form auf (die beiden bauen auch auf dem neuen Album von Jon Spencer, der das 2020er-Bobby-Lees-Album SKIN SUIT produzierte, das Rhythmusgerüst). „Got Me Good“ beweist, dass rohe Energie auch akustisch funktioniert, „All I Got“ hat erstaunlich anrührende Momente, und „Red Hot“ ist dann wieder reiner heiliger Zorn. Und weil das passt, und weil der Mensch sich ja nicht dauernd aufregen kann, weil man wissen muss, wann es genug geknallt hat, dauert NEW SELF nur acht Songs oder 20 Minuten. Aber die haben es in sich.

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