Mono – SNOWDROP: Kitschtoleranz entscheidet alles
Elegischer Postrock aus Japan für Freunde des Weltschmerzes.
Alles an der Musik der japanischen Band Mono ist groß, und die Dynamik der zwischen fünf und sieben Minuten langen Stücke meist strukturähnlich. Elegische Gitarrenmelodien, die zuerst in etwas müdem Weltschmerz umeinander herumtanzen, dann treten alle gleichzeitig auf die Verzerrer-Pedale, die Sonne geht auf, und ein Schwarm weißer Schwäne fliegt durchs Bild. Oder irgendwas anderes Erhabenes.
Das Schöne an SNOWDROP ist zugleich das, was an der Musik von Mono möglicherweise nervt. Die Frage „Daumen rauf, Daumen runter?“ entscheidet sich schlicht an der Kitschtoleranz des Hörers. Wenn die Band einen Gang zulegt, zum Beispiel im Mogwai-artigen Rockgebilde „Winter Daphne“, wird es zwingender. Zwei Minuten haut die Band alles raus, dann zerfasert das Stück auf sehr angenehme Weise.
„Gebera“ wiederum gehört zum Orchestralsten, was die Band seit ihrer Gründung 1999 aufgenommen hat. Musik für eine Winterlandschaft, durch die man läuft und traurig ist und zugleich ahnt, dass von nun an wieder alles schöner wird. Hörer:innen, bei denen bei sinfonischer Rockmusik im Breitwandformat nicht gleich die Kitsch-Alarmglocken aufleuchten, können mit SNOWDROP sehr viel Freude haben. Und das heißt in diesem Fall: in euphorischem Weltschmerz zerfließen.