Graham Coxon – CASTLE PARK: 15 Jahre im Archiv
Verschollen geglaubter Indie-Rock von Blurs Gitarren-Genie.
Nach 15 Jahren im Heimarchiv erblickt das neunte Album des originellsten Gitarristen der Britpop-Generation endlich das Tageslicht: CASTLE PARK ist 2011 in denselben Sessions wie Graham Coxons A+E entstanden. Doch der Misserfolg des Werks (eine Woche in den UK-Charts und die auch nur auf Platz 39) ließ seinen Schöpfer von einer Veröffentlichung als unmittelbaren Nachfolger absehen. Als Blur-Chef Damon Albarn dann auch noch entschied, Anfang 2012 mit seiner alten Band ins Studio zu gehen (was allerdings nur die Doppelsingle „Under The Westway“/ „The Puritan“ abwarf), wurde CASTLE PARK ad acta gelegt.
Was vermutlich eine gute Entscheidung war. Denn seit den euphorischen Kritiken seiner beiden jüngsten Alben mit Rose Elinor Dougall als The Waeve herrscht heute eine gänzlich andere Aufmerksamkeit for all things Coxon – was allerdings auch die Gefahr einer Produktenttäuschung birgt. Denn CASTLE PARK kommt völlig ohne Synthies, Saxofon und der discoiden Produktion von James Ford aus.
Das von Ben Hillier (der auch Blurs einziges [fast] Coxon-loses Album THINK TANK betreut hat) verantwortete Album ist stellenweise countryesker Folk-Rock, der den Nuschelsänger selbstsicher wie selten vors Mikro von „When You Find Out“ treten lässt, mit „Billy Says“ einen Hit fürs Indie-Daytime-Radio bereithält und mit „Mélodie Pour Christine“ sogar mit einem streicherlastigen Stück Kammerpop verzückt. Das abschließende „All The Rage“ ist sein berührendes Pendant zu „Dead In The Water“ von Ex-Erzfeind Noel Gallagher.