Brutalismus 3000 – HARMONY: Punk, den Sony liebt
Brutale musikalische Cut-Up-Technik, mitten aus dem Herzen der Generation Y2K-reloaded.
2026 tingeln The Prodigy wieder durch die Stadien der Bundesrepublik. Wieso das am Anfang einer Brutalismus-3000-Review steht? Weil die Altmeister der Disruption sich auch zurücklehnen und dem Jung-Duo das Feld überlassen könnten, das sich zu pandemischen Zeiten auf Tinder kennenlernte. Fairerweise: B3K, wie man die beiden abkürzt, klingen nicht genau wie The Prodigy, wer tut das schon?
Sängerin Victoria Vassiliki Daldas hat das Shouten über wirre Y2K-Beat-Melangen aus Nu Metal, Trap, Electroclash und Brostep nach dem Debütalbum ULTRAKUNST inzwischen perfektioniert und mutet an wie eine noch aggressivere Version von Die Antwoords Yolandi Visser, allerdings ohne je deren Morbidität zu erreichen. Was nichts Schlechtes sein muss, wenn man sich die Schlagzeilen aus den letzten Jahren vor Augen führt.
Es böten sich noch zahllose weitere Vergleiche an, etwa der mit Hayiti, die alle nur auf eines hinauslaufen: HARMONY ist brutale musikalische Cut-Up-Technik. Jugendlicher Punk, vermeintlich provokant auf die Spitze getriebene Subversion, das geht Majors wie Sony gerade so richtig gut rein. Ironie des Schicksals? Wohl eher nicht. Frage zum Abschluss: Ist Boys Noize auf irgendeiner Platte mit illustren Featuregästen eigentlich nicht vertreten?