Finch – AUSSENSEITER SPITZENREITER: Kein Zeigefinger, viele Rollen

Versteckt hinter Billigbeats spielt der Techno-Deutschrap-Star mit vielschichtigen Kunstfiguren.

Wie es sich für einen Rapper gehört, wird im „Intro“ erst mal das Spielfeld abgesteckt. Also lässt Nils Wehowsky pflichtgemäß die eigene Geschichte vom ostdeutsche-Identität-feiernden Fliesentisch, damals noch als Finch Asozial, bis zum chartsstürmenden Bums-Techno-Massenerfolg Revue passieren. Wenig später wird in „Finch vs. Finch Asozial“ der Wandel ganz ausdrücklich diskutiert. Seine Schlussfolgerung: „Wenn’s euch hilft, bin ich gern das Arschloch.“

Tatsächlich ist Finch einer der wenigen deutschen Rapper, der sich nicht beständig am Authentizitätsgebot des Genres abarbeitet, sondern lieber mit seinen mittlerweile vielen Kunstfiguren spielt. Und das durchaus geschickt und – im Kontrast zu den oft eher schlichten Beats zwischen Old-School-HipHop und Ballermannbeschallung – überraschend vielschichtig.

Ob er eine Energy-Drink-befeuerte Nacht an der „Tanke“ durchmacht, in „Mehr als nur ein Fan“ die Psyche eines Hools erkundet oder in „Prolet“ in die Rolle eines Incels schlüpft, der Zeigefinger bleibt immer stecken. Die Indifferenz irritiert – gerade im HipHop, aber sie sorgt eben auch dafür, dass Finch – aller oberflächenhafter Schlichtheit zum Trotz – eine der interessantesten Figuren des Deutschrap bleibt.

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