Fatoni – DRAMA ENDET NIE: Radiotaugliche Systemkritik
Die Message ist der Boss: Der Herbert Grönemeyer des Deutschrap goes Kapitalismuskritik.
Fatoni hat keinen Bock auf Kapitalismus. Das macht er auf diversen Stücken von DRAMA ENDET NIE in Spießumdreherform klar, besonders auf „Geld ist geil“, wo es heißt: „Denn ihr habt mehr als genug, f… den Chef und begeh‘ Arbeitszeitbetrug.“ Was Gier und Wachstumsgeilheit mit Menschen in der Kunst und anderswo machen, verhiphopt der 1984 geborene Allrounder auf gewohnt lässige und souveräne Art. Zurzeit als Schauspieler in der Netflix-Serie „Kacken an der Havel“ zu sehen, flankiert Fatonis musikalische Neuerscheinung seine mediale Präsenz und zeigt seine künstlerische Vielseitigkeit.
Was ist auf DRAMA ENDET NIE zu hören? Verschiedenste Styles und Genres. Hier zeigt einer, was er kann – auch textlich. Fatoni hat ein Anliegen, nämlich politische und gesellschaftliche Botschaften so zu verpacken, dass sie radiotauglich und leicht verständlich daherkommen. Möglichst alles soll sich flockig mitteilen. Risiken werden eher nicht eingegangen; man hat seine Art zu rappen natürlich schon dauernd gehört, und zwar überall. Etwas oldschoolig, fast gestrig kommt einem das mitunter vor, aber was soll’s.
Die Message ist hier der Boss. Der Wunsch nach Eskapismus („Aber ich will mehr“), das Verarbeiten von Liebeskummer („Oktober“) und ein Ton-Steine-Scherben-Zitat verweben sich zu einem Netz aus Konsens für Milieus mit kritischem Bewusstsein. Und: Why not? Dann ist Fatoni eben der Grönemeyer des Deutschrap. Na und? Es gibt Schlimmeres. Lakmann, Mine, Keno, Dissy – das Album featured obendrein gute und relevante Leute und setzt eindeutig Statements, die aktuell gebraucht werden. Dringend.