Weird & Eerie – FOLKSONGS FROM THE WWW: Bühne ohne Bühne

Andreas Spechtls Nebenprojekt mit Art-Pop für Tropfsteinhöhlen.

Mit Musiken, die eigentlich für Filme, Theaterstücke, Installationen, Performances geschrieben wurden, um deren aufgemachte Bild- und Sprachwelten zu unterstützen, ist es so eine Sache. Oft wird davon ausgegangen, man könne im Nachklapp ein Album daraus stricken, da sich schon mitteilen werde, dass ein Soundtrack auch ohne die ganze Inszeniererei funktionieren und herausgelöst werden kann aus dem Visuellen. Die Band Weird & Eerie ist 2024 aus einer Bühneninstallation in Weimar hervorgegeangen. Mark Fishers Essay-Sammlung gleichen Namens, die sich mit den „Horrific“-Momenten in Literatur und Film des 20. Jahrhunderts beschäftigt (H. P. Lovecraft, H. G. Wells, M.R. James), wurde damals für die Bühne umgesetzt und mit Themen unserer digitalen Wirklichkeit verknüpft.

Die Musik entwickelten Schlagzeugerin Katharina Ernst, Keyboarderin Annea Lountavori und Andreas Spechtl, Mastermind der Austro-Indie-Band Ja, Panik. Herausgekommen ist eine 10-Track-Sammlung eher experimenteller Stücke, die mal feenhaft, mal energetisch, mal sakral, mal freejazzig daherkommen. Man ahnt: Hier geht es eben eigentlich um Untermalung. Und es stellt sich die Frage: Funktioniert diese Musik ohne Kontext? Klar, das tut sie, aber sie fordert auch heraus. Ständig ist man versucht, Leerstellen selbst zu füllen, bei mir zuckte ständig der Google-Finger.

Henry Cow, Art ­Bears – könnten die Künstler aus dieser Ecke inspirierende Vorbilder gewesen sein? Mag sein. Aus dem Album tropft Ambition, die zwar nicht unschön ist, aber stellenweise doch ein Gewand aus Prätention trägt. Für den sommerlichen Balkon ist das nichts, aber wer in den Ferien eine Tropfsteinhöhle besuchen möchte, kann sich dieses Album auf die Kopfhörer legen. Aber bitte nicht zu tief hineinwagen!

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