Album der Woche

Mary In The Junkyard – ROLE MODEL HERMIT: Chaos rock, aufgeräumt

Das Trio aus Südlondon verbindet Art-Rock mit sanftem Folk.

Mary In The Junkyard haben sich ihren Ruf als vielversprechender Live-Act im Umfeld der Windmill-Szene hart erspielt. Eine US-Tour mit Wet Leg machte das junge Trio aus Südlondon bekannt. Der wachsenden Aufmerksamkeit begegnen sie jedoch mit gemischten Gefühlen. Einerseits gesehen werden wollen, andererseits sich lieber wie ein Eremit verkriechen – diese Ambivalenz bringt der Albumtitel ROLE MODEL HERMIT auf den Punkt.

Im Schlüsselstück „New Muscles“ verkehrt sich der innere Rückzug ins Gegenteil. Statt in Selbstzweifeln zu verharren, geht es darum, sich und das, was man geleistet hat, anzunehmen. Das Motiv der Selbstliebe klingt bereits im Opener an: „It is yours babe, you deserve it“ lautet das Mantra in Dauerschleife. Ein sperriger Auftakt, bevor „Blood“ mit lockerem Groove loslegt. Im Zentrum steht Clari Freeman-Taylors wandlungsfähiger Gesang. Mal verfällt die helle Stimme in einen beiläufigen, an Dry Cleaning erinnernden Erzählton, wenig später überschlägt sie sich, klingt wütend oder weinerlich.

Wenn dann noch mit vertrackten Rhythmen, verspielten Gitarren- und schrägen Viola-Klängen Dynamik erzeugt wird, fühlt man sich wie im Wonderland. Nur die gefälligeren, teils folklastigen Momente im letzten Drittel nehmen dem Album etwas von seiner wilden Energie. Dafür wartet am Ende mit „Mouse“ wieder ein Höhepunkt. „Angry ­weepy chaos rock“, so bezeichnet die Band ihre Musik. Trotz der ungestümen Momente – auf ihrem Coming-of-Age-Album hinterlassen Mary In The Junkyard einen sehr aufgeräumten Eindruck.

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