Status Quo


Ihren musikalischen Status Quo wahren Francis Rossi und Rick Parfitt nun schon seit über 20 Jahren: Die Großmeister des Gute-Laune-Boogie halten unbeirrbar ihren Kurs und sind folglich wenig kompromißbereit, wenn sie die Verirrungen der modernen Popmusik kommentieren sollen ...

Paula Abdul: „Vibeology“

FRANCIS: „Hör mal, da blubbert’s und bleept’s ganz enorm. Ob das schon der erste Song ist? Klingt wie ein Computer mit Blähungen. Ich kann diese Art von akustischer Umweltverschmutzung auf den Tod nicht ausstehen.“

RICK: „So was nennt der Fachmann Dancefloor. wenn ich nicht irre.“

Genesis: „I Can’t Dance“

FRANCIS: „Wunderbar, das ist Pop DeLuxe, einfach Weltklasse diese Truppe…. na wie heißt sie noch? Geneva? Der Sänger jedenfalls heißt Joan Collins…“

RICK: „Allein vom Gitarrensound bekomme ich einen Steifen.“

FRANCIS: „Schau dir nur das Video dazu an. dann weißt du, warum Genesis die Größten sind: Erstens hat es nicht drei Millionen Dollar gekostet, und zudem haben die Drei einen Humor, der sie unangreifbar macht. Unser Manager hat mich mal aufgeklärt: ,Guie Musik zeichnet sich dadurch aus. daß sie sowohl den Kopf als auch das Herz anspricht und obendrein in die Hüften geht. An diesen drei Kriterien sollt ihr sie erkennen.'“

Die Toten Hosen: „Baby Baby“

FRANCIS: „Was der Sänger da an Lyrics von sich gibt, ist antiquierter Quark. Wenn ich schon dieses ‚Baby Baby höre, stellt’s mir das Messer in der Tasche auf. Absolut out. Ein lausiger Aufguß.“

RICK: „Jen kann’s auch kaum glauben. Die Toten Hosen, die sind doch bei euch in Deutschland so dick im Geschäft, daß sie den Ausflug in die englische Sprache nun wirklich nicht nötig hätten. Mit der instrumentalen Umsetzung kann ich mich durchaus anfreunden, aber die Texte …“

Sandra: „Don’t Be Aggressive“

FRANCIS: „Handwerk ade. jetzt regiert wieder der Computer. Ich finde es befremdend, wenn die Drums. die eigentlich nichts mit der Musik zu tun haben, derart dominieren wie hier. Wenn ich die Lautstärke runterdrehe und dabei feststellen muß, daß allein die Drums noch zu hören sind, während sich der Gesang längst verabschiedet hat, dann ist das für mich die Perversion dessen, was ich unter Musik verstehe. Vielleicht bin ich zu alt dafür. Einer meiner Söhne gab mir vor kurzem den Tip: ‚Daddy, diese Art von Musik ziehst du dir am besten rein, wenn du vorher Ecstasy eingepfiffen hast.'“

Robert Palmer: „Every Kinda People“

RICK: „Robert Palmer kann machen, was er will, seine Stimme reißt jeden noch so belanglosen Song heraus. Manchmal habe ich aber den Eindruck, als ob er seinen Perfektionismus etwas überstrapaziert. Denn gerade hier wirkt er arg roboterhaft, weil er offensichtlich jede Spontanität von vornherein herausproduziert hat.“

FRANCIS: „Robert wäre sicher gut beraten, wenn er seine Musik etwas lockerer anginge. Warum der Streß, wenn’s auch easy geht?“

Gary Moore: „Cold Day In Hell“

RICK: „Gary Moore ist zweifellos ein begnadeter Gitarrist. Nur neigt er leider auch dazu, alles zu übertreiben. Seine Liebe zum Blues, gut und schön, die kann ich durchaus teilen, nicht aber die Art, wie er den Song mit Instrumenten. Background-Sängerinnen und einer Bläser-Fraktion überfrachtet. So stellt er sich selbst ein Bein und nimmt dem Song viel von seiner Wirkung.“

Chic: „Chic Mystique“

FRANCIS: „Die lächerlichen Lyncs sollte man am besten gleich ignorieren und sich dafür ganz auf den großartigen Groove konzentrieren. Wahnsinn, wie diese Nummer schiebt. Um noch einmal auf die drei Kriterien zu sprechen zu kommen: Hier vibrieren die Hüften.“

Little Village: „Solar Sex Panel“

RICK: „Zwei Welten treffen aufeinander, ohne sich wirklich einigen zu können. Zum einen eine Band, vor allem ein Gitarrist, der die Kunst des ‚weniger-ist-mehr‘ so brillant beherrscht, daß es mir die Sprache verschlägt. Zum anderen der Sänger, der sich auf einem ganz anderen Level zu bewegen scheint. Ich vermute, man hat den Instrumental-Part live im Studio eingespielt und dann plötzlich gemeint, man müsse noch eine Gesangsspur drüberlegen.“