Der Avantgardist John Cale hört zu Hause Mariah Carey

Der ehemalige Velvet Underground-Musiker John Cale (55) hat nach etlichen Avantgarde-Jahren nun ein Pop-Album aufgenommen. Warum nur?

In den letzten Jahren haben Sie ausschließlich Avantgarde- oder E-Musik gemacht. Warum jetzt ein Pop-Album wie ‚Walking On Locusts‘?

Wir haben sehr relaxt gearbeitet, also ist es auch ein sehr relaxtes Album geworden.

Wird es auch ein Video geben? Gemessen an der Wirkung, die ein Video erzielt, sind die immensen Kosten ein großes Risiko. Ein Video kostet 35.000 Dollar – soviel wie das halbe Album.

In Deutschland spielt sowieso kaum ein Radiosender Ihre Musik. Die spielen ja gerade mal alte Sachen von Lou Reed.

In Amerika gibt es Radios mit einem speziellen Format, die meine Musik spielen. Aber in Deutschland – wie soll das Album denn hier überleben?

Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn Sie David Byrne nicht nur bei einem Song die Gitarre hätten spielen lassen. Warum singt er nicht auf der Platte?

Weil das meine Platte ist! Trotzdem: David war sehr hilfreich.

Welche Platten legen Sie zu Hause auf?

Mariah Carey oder Alanis Morissette. Das klingt wie die weibliche Ausgabe von Depeche Mode. Neulich haben meine zehnjährige Tochter und ich Mariah Carey in einem Restaurant gesehen. Da wollte meine Tochter unbedingt ein Autogramm von ihr und hat so lange gequengelt, bis ich schließlich rüberging und sagte: „Guten Abend. Ich heiße John Cale und hätte gern ein Autogramm für meine Tochter.“

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