Yamashta – Der Mann aus dem Osten


Denn in jeder Sparte ist der kleine Gelbe ein Meister. Musik Express flog nach London, um seine neue Theater-Rock-Show „Raindog“ (Regenhund) unter die Lupe zu nehmen. Vor zwei Jahren stellte Stomu ein Theaterensemble zusammen. Es bestand aus japanischen Tänzern und Pantomimen, die in teils altjapanischen, teils utopischen Kostümen ein komplettes Schauspiel als Illustration zu Stomus Jazzrock-Klängen aufführten. Der Meister selbst stand im Parkett und dirigierte seine Band. Seine Einlagen an einer unüberschaubaren Menge von Schlaginstrumenten ließen die Rock- und Jazzfans aufhorchen. Bereits vorher, als Stomu noch klassische Avantgardemusik aufführte, wurde er als der beste Perkussionist der Welt bezeichnet. Das bescheinigten ihm u. a. die Neutöner Stockhausen, John Cage und Hans Werner Henze.

Jedes Schauspiel ist eine Sensation

Schauspiel Nr. 1 war die Sensation in London. Vier Wochen lief „The Man from The East“ im ausverkauften RoundhouseU Danach im Westend von London und schließlich zog Yamashta mit seinem „Red Buddha Theatre“ durch die Provinz, fast ein Jahr lang. Und jetzt, mit „Raindog“ hat sich das japanische Rocktheater fest in der Rockszene etabliert. Und gleichzeitig noch in der internationalen Kulturszene. Nach vier Wochen Roundhouse wird auch dieses Spektakel um die Welt gehen. Nach Spanien und Österreich soll im Herbst Deutschland an der Reihe sein. Denn auch bei uns wird Yamashta geschätzt. Bisher zog er allerdings hauptsächlich das Kulturpublikum an. Aber das wird jetzt anders. Yamashta hat seine Band nämlich zu einer – erstklassigen – Rockband umgerüstet. LP Nr. 9 ist der Beweis: „Raindog“, Konzeptalbum zum gleichnamigen Theaterstück, ist soeben erschienen. Für sich schon eine scharfe Scheibe, aber umwerfend erst mit Theaterbeilage.

„Raindog“ – japanisches Kulturgut mit westlichen Einflüssen

Die Story hat Stomu – wie auch alles andere – selbst gefertigt. Hier vermischt sich japanisches Kulturgut mit westlichen Einflüssen. Stomu hat uns die Story selbst erzählt:

„Ein blinder Bettelmönch stolpert durch die Landschaft. Da ist plötzlich der Teufel los: Eine Horde wahnsinniger Dorfbewohner inszeniert einen infernalischen Beschwörungstanz, damit es endlich wieder regnet. Hatchi, der Hund mit den übersinnlichen Fähigkeiten, will den Regengott umstimmen, unter der Bedingung, daß er die Tochter des Bürgermeisters heiraten darf. Der Regen fällt, Jubel und Erleichterung, die Hochzeit wird gefeiert. Doch Toto, der Bürgermeister, tötet den Hund, seine Tochter Koko ist ihm zu schade. Koko jedoch liebt diesen verrückten, pelzigen Retter ihres Dorfes. In Wut und Verzweiflung legt sie ihren Vater um. Sie wird zum Tode verurteilt. Da schreit sie, von übermächtiger Kraft erfüllt: Ihr könnt die Wahrheit nicht töten. Ein Sturm bricht los und Koko gebiert ein Kind. So schließt sich der Kreis von Liebe, Tod und Wiedergeburt.“ Das Ganze wird mit atemberaubender Geschwindigkeit, mit flotten Tänzen und in mehr als ausgeflippten Kostümen vorgeführt. Manche witzigen Einlagen sind nur zur Erheiterung des Publikums gedacht. Wer in Zukunft Theaterrock machen will, sollte sich erst mal Stomu Yamashtas ,Red Buddah Theatre‘ ansehen. Es ist schlichtweg das Beste in dieser Sparte.

Vier Fragen an den Wunderknaben Yamashta

Nach der Vorstellung im Roundhouse, von der ich reichlich erschlagen war, ging ich mit dem Wunderknaben essen – natürlich in ein japanisches Restaurant. ME: „Wie weit bist Du noch Japaner?“ Stomu: „Vielleicht zu einem Zehntel. Ich habe erst in Kyoto, dann in Amerika Musik studiert. Und gleichzeitig fleißig komponiert. Die New York Times und viele andere Zeitungen haben darüber berichtet.

Vor allem, als ich für eine Filmmusik den Grammy erhielt. Seit fünf Jahren reise ich von London aus um die Welt. Nach Japan fahre ich jedes Jahr. Es verändert sich schneller als das Abendland. Aber meine Heimat – die liegt in mir selbst. Meine Arbeit, das ist meine Welt. Ich bin vollkommen glücklich darin.“ ME: „Gibt es sonst noch etwas Wichtiges in Deinem Leben?“ Stomu: „Meine Frau, Hisako Yamashita. Sie ist achtzehn oder zwanzig oder so ähnlich. Ich muß sie wirklich mal danach fragen. Und natürlich unser einziges Kind. Es ist sieben Monate alt und genau 68 cm groß. “ ME: „Wenn Du mal nicht herumwirbelst, hörst Du Dir dann an, was die Konkurrenz macht?“ Stomu: „Manchmal. Am liebsten Chick Chorea, Strawinsky und Debussy. Mit einigen klassischen Komponisten bin ich gut bekannt: mit Stockhausen, Cage, Ligety und Henze. Ich mag vieles von ihren Werken.“ ME: „Aber Du selbst bist jetzt auf einem ganz anderen Trip.“ Stomu: „Du meinst, weil ich Rock spiele. Im Augenblick stehe ich eben mächtig drauf. Aber grundsätzlich ist mir jedes Stilmittel recht. Mein Horizont ist weit, ich spiele, was mir gerade in den Kram paßt. Auch wenn dadurch vielleicht das Publikum wechselt. Übrigens, meine Frau spielt Geige in meiner Band. Die alte japanische Besetzung hat sich unauffällig unter meine Theatermannschaft gemischt sie erhielten keine Arbeitsgenehmigung in England. Meine neue Band besteht also aus Engländern. Auch gut. Denn alles ist meine Schöpfung.“