Hans Hartz – Frankfurt, Alte Oper

Jetzt haben wir zwei Stunden Zeit, um miteinander warm zu werden“, meinte der Sänger routiniert schüchtern zu Beginn seines Konzertes zum höflich applaudierenden Publikum. Daß das Eis zwischen Saal und Bühne zwei Stunden und drei Zugaben später immer noch da war, wenn auch rissig und kaum noch tragfähig, lag nicht nur an den rockverwöhnten, snobistischen Frankfurtern.

Aber es lag auch nicht an der herben Kühle des schlaksigen Friesen mit der Reibeisenstimme und gewiß nicht an seiner Mischung aus schnörkellosem Rock und neuen, deutschen Schlagertexten, sondern eher an der laschen, steif wirkenden Begleitband.

Dabei haben die fünf Jungs musikalisch durchaus einiges zu bieten. Doch sie schaffen es nur selten, die eigene Freude an der Musik überzeugend zu vermitteln. Da reißt auch ein halb improvisiertes Saxophonsolo von Keyboarder Thomas Bauer, keinen langfristig vom weich gepolsterten Konzertsessel. Es fehlen selbstbewußter Schwung und Power, die Hartz dringend braucht, um richtig losrocken zu können.

Das ist höchst bedauerlich, denn Hartz ist zur Zeit der einzige deutsche Sänger, dem es mühelos gelingt, banale, ausgelutschte Themen zu Umwelt und privatem Alltag zu simplen Texten à la „Reim dich oder ich freß dich“ zu verarbeiten, ohne abgeschmackt zu wirken.

Im Gegensatz zu manch anderen, lautstark ihr soziales Engagement verkündenden deutschen Rockern nimmt man ihm die persönliche Betroffenheit ab. Dafür ist zum einen seine unverwechselbar rauhe Stimme verantwortlich, mit der er textliche Peinlichkeiten souverän umschifft, zum anderen die gelungene Synthese zwischen ursprünglichem Rock und einfachen Songs mit Tiefgang.

Bleibt nur zu wünschen, daß sich die Band bis zur nächsten Tour von müden Tauben zu gnadenlosen Rockern wandelt…

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