Extrem & Kraftvoll

„Bei mir läuft der Fernseher sogar, wenn ich weg bin“, erzählt Daniel B., Gründer der belgischen Band Front 242. Bis 1981 verkaufte er in Brüssel HiFi-Anlagen — und auch jetzt ist er weniger Musiker, sondern eher Sammler und Verwerter schon vorhandener Geräusche. Entsprechend synthetisch klingt die Front 242-Musik: brutaler Dancefloor-Beat mit einer Unzahl Zitaten aus dem bandeigenen Ton- und Videoband-Archiv. Daniel und Band-Kollege Richard erklären die Strategie: „Ständig unter Informationsbeschuß zu stehen ist ein Lebensstil. Man könnte sagen, daß der Fernseher das fünfte Mitglied von Front 242 ist“ — „Manchmal arbeiten wir wie eine Werbeagentur. “ — “ Wir greifen irgendwas auf, stehlen Informationen und überlegen, wie wir das am besten präsentieren können.“ — „Hauptsache, es ist extrem und kraftvoll.“ So extrem und kraftvoll wie die Gaddafi-Rede zum Beispiel, aus der sie die Tanz-Nummer „Funkadafi“ machten. Richard: „Die Rede hatte einen guten Sound, einige kraftvolle Worte und klang wie eine Art Singsang. “ Wegen solcher Stükke, ihrem militärischen Outfit und den kommandomäßigen Live-Auftritten galten Front 242 lange als faschistoide Gruppe — ein Vorwurf, den Richard weit von sich weist: „Wir haben keine Message, wir wollen den Leuten bloß was Kraftvolles geben. Wir haben auch gar keine einheitliche politische Meinung in der Band. Und wenn wir wirklich jemanden bewußt provozieren wollten, dann würden wir ein Stück über den Ayatollah machen.“

Auf dem neuen Album OFFI-CIAL VERSION ist noch keins.

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