Sly & Family Stone

Stand! (1969)

12 Ist es stillschweigender (oder unbewußter) Rassismus, der dazu geführt hat, daß Sly & The Family Stone aus nahezu allen journalistischen Betrachtungen über den „San Francisco Sound“ verbannt wurden? Während zu Bands wie Quicksilver. Moby Grape und Big Brother tonnenweise nostalgisch verbrämtes Pressematerial in den Archiven zu finden ist, wurde über die vorwiegend schwarze Band (Sly stand auf weiße Drummer) nur sehr wenig geschrieben, obwohl sie damals im Zentrum des Geschehens stand und — rein musikalisch gesehen — allen weißen Acid-Rockern die Show stahlen. Sly kam als Junge aus Texas nach Kalifornien, studierte Musiktheorie und Komposition, arbeitete als DJ bei dem Radiosender KSOL und dokumentierte als Plattenproduzent eine ganze Reihe prä-psychedelischer Bands aus der Bay Area, darunter auch Grace Slicks Great Society. Wenig später gründete er mit der Family Stone eine Band, die sich über alle traditionellen Grenzen zwischen schwarzer und weißer Musik hinwegsetzte, alle nur denkbaren musikalischen Stile (Rock, Jazz, Funk, Gospel, Surf …) vermischte. Slys Texte waren geprägt von süchtig machendem Positivismus: „You Can Make It If You Try“ war die zentrale Message. „Don’t Call Me Nigger, Whitey“, „Everyday People“ und „Stand“ machten sich allesamt, aus unterschiedlichen Perspektiven, über die Absurdität der Rassentrennung lustig — eine Philosophie, die gerade von Arrested Development mit neuem Leben erfüllt wird. „Stand!“ enthält außerdem einen ausgedehnten, feurigen Jam über „Sex Machine“. Höhepunkt ist der Song, mit dem die Family Stone auf dem Woodstock Festival abräumte: „(I Want To Take You) Higher“, ein hypnotisch-rituelles Rock/Funk-Stück, in dem uns Slys emotionale Vocals dorthin zurückführen, wo er einst sein Handwerk lernte — „The Church of God in Christ“ in Dallas, in der es zum Schluß des Musik-Gottesdienstes kein Mitglied der Gemeinde mehr auf dem Sitz hält. Musik als reinigende, befreiende Kraft.

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