Traffic sind wieder im Rennen

Stevie Winwood und Jim Capaldi kennen sich seit Kindergarten-Tagen. Warum es trotzdem geschickter ist, sie nicht auf ihre Vergangenheit anzusprechen, lernt man schnell: „Gab’s eigentlich eine Zeit, in der ihr keinen Kontakt hattet?“ ist nur willkommenes Stichwort für allzu vertrautes Hin- und Hergeplaudere: „Jaaa —- da warst Du doch in Brasilien“ -— „Aber in New York hast du mich besucht“ -— „Wir haben uns Lou Reed angesehen, der hat so ’nen abgefahrenen japanischen Trompeter dabei, fing mit H an…“ -— „Hab ich damals schon in Bette Middlers Appartement gewohnt?“

Also schnell zum Kern der Wiedervereinigung Capaldi/Winwood, ohne den verstorbenen Flötist Chris Wood und das vierte Traffic-Gründungsmitglied Dave Mason („Weiß auch nicht, wo der heute ist.“) Wieso Traftic — nach 20 Jahren Ruhepause? „Als wir mit den Aufnahmen begannen, sollte es eigentlich ein Stevie Winwood-Album werden“, sagt Traffics Sänger und Keyboarder und Gitarrist, „aber irgendwann hat Jim gesagt: Mensch, Stevie, das klingt, wie Traffic klingen würden, wenn sie die letzten 20 Jahre im Proberaum gesteckt hätten! Irgendwann wußten wir: Das klingt nicht nur nach Traffic -— das ist Traffic.“

Sieben, acht Minuten lange Songs, wunderbare Hammond-Soli, Gitarren-Ausfluge in himmlische Sphären, feinnervige, san(!)tanische Percussion-Teppiche und Winwoods-Goldkehlchen-Soul: „Far From Home“ klingt, als hätten Traffic 1975 mit den technischen Möglichkeiten von 1994 produziert. Bloß eine Single ist nicht drauf: Kein Radiosender spielt einen Titelsong, bei dem der Sänger erst nach zweieinhalb Minuten mit seinem Tagewerk beginnt. „Das ist mir völlig egal,“ mault Jim, „diesen ganzen Hitparaden-Scheiß kann ich eh nicht mehr hören. Und außerdem besitze ich eh‘ kein Radio und einen CD-Player übrigens erst recht nicht.“

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