Apocalyptica, München, Muffathalle

Gestandene Metaller haben oft einen unseligen Hang zur Klassik. Musiker aus dem klassischen Lager hingegen wissen mit Metal im allgemeinen und Metallica im speziellen meist wenig anzufangen. Anders Apocalyptica, vier Musikstudenten aus Finnland. Sie spielen auf Celli die Kompositionen der Herren Hetfield, Ulrich, Burton und Hammett nach. Das mag man nun als intellektuelle Spielerei abtun, deren Originalität spätestens nach der dritten Metallica-Adaption rapide nachläßt. Doch auf der Bühne entwickeln die Interpretationen eine unbändige Kraft. Das liegt zum einen an dem wohlinszenierten Auftreten der verrückten Finnen – standesgemäß in schwarzen Klamotten, rotes Licht von vorn; gleißendes Weiß von hinten, und zum anderen an dem unglaublichen Können des unorthodoxen Streich-Quartetts. Vor allem der erst 21jährige Lead-Cellist Eicca Toppinen sorgt für stehende Ovationen in der ausnahmsweise bestuhlten Muffathalle. Die hüftlangen blonden Haare wild schleudernd, entlockt er seinem Instrument die Themen von „Enter Sandman“ oder „Creeping Death“, während seine Kollegen einen mit Stahlwolle geknüpften Soundteppich ausrollen. Selbst Hämmer wie „Wherever I May Roam“ oder „Master Of Puppets“ verlieren in der virtuosen finnischen Fassung nichts von ihrer Wucht. Im Gegenteil: Der ungewöhnliche Sound – die Celli sind direkt mit den Verstärkern verbunden – verleiht den Songs einen fast schon bedrohlichen Zug. Wie beim großen Vorbild. Apokalyptisch eben.

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