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Alben der Woche: 31.10. – 06.11.2011

Platte der Woche:
David Lynch – Crazy Clown Time
Es ist das späte Solo-Debütalbum des großen Filmregisseurs David Lynch. ME-Autor Thomas Winkler schreibt: „Die Band produziert einen nahezu klassischen Rocksound, aber dann schleppt sich das Schlagzeug so monoton dahin wie ein Metronom. Die rhythmischen Muster stammen aus der elektronischen Musik, zum Tanzen sind sie aber garantiert nicht geeignet. Die Stimmung ist existenziell und verzweifelt, aber das Blues-Schema weit weg. Die Gitarre klingt einerseits altbacken, übernimmt aber konsequent den Part von Dennis Hopper in „Blue Velvet“: Sie bricht ein in eine oberflächlich heile Welt, keift, droht, atmet schwer, verstört. Yeah-Yeah-Yeahs-Sängerin Karen O schlüpft in „Pinky’s Dream“ in die Rolle des verführerischen Vamps, der nur im ersten Song auftaucht, aber den Protagonisten dieses Film Noir in Bewegung setzt, damit ihn sein tragisch-hoffnungsloses Ende ereilen kann. Wie in einem billigen Horrorstreifen scheint alles bekannt, aber das Unerwartete lauert im Halbschatten unter der Treppe. Monotonie regiert, aber doch weiß man nie, was im nächsten Takt passiert. Immer wieder verfremdet Lynch seine Stimme, suggeriert aber flüsternd eine vorgebliche Authentizität, Märchenonkel und Kindermörder werden eins. So eine fiese, irritierende Platte wie Crazy Clown Time wird man so schnell nicht mehr hören. Allerdings wird dieses Album mit großer Wahrscheinlichkeit wohl auch nur jenen Menschen gefallen, die die Filme von David Lynch zu schätzen wissen. Roger Ebert gehört nicht zu diesen Menschen. Der einzige Lynch-Film, den er mag, ist „Mulholland Drive“. Über den schrieb er: „Je weniger Sinn dieser Film ergibt, desto weniger kann man aufhören zuzuschauen.“ Ungefähr so funktioniert Crazy Clown Time.“

D
DCR Music  – Kinshasa One Two

E
Eno, Brian – Panic Of Looking EP

F
Frevert, Niels – Zettel auf dem Boden

H
High Places – Original Colors

J
Joker – The Vision 
In diesem futuristischen Soundmanifest verschwindet Dubstep hinter G-Funk, Computerspielsounds und Großraumdisco-Hooklines. – Das Album entstand in fünf Jahren – eigentlich ein No-Go für eine Veröffentlichung, die sich der Musik zur Zeit widmet. Joker hat die Sache auf seine Art gelöst: The Vision dokumentiert seinen Werdegang als DJ und Produzent auch über bereits als 12Inch veröffentlichte Tracks wie „Tron“. Und mit dem finalen „The Magic Causeway“ sucht er Ausdrucksformen im Jazz-Funk-Segment. Eine größere Rolle in der Erneuerung des Klangspektrums kommt den Gastvokalisten zu, Jessie Ware, Silas und Buggsy bringen Jokers kristalline Soundblöcke auf Schmelztemperatur. (ME-Autor Frank Sawatzki)



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