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Interview

Alexandra Savior im Gespräch: „Alex Turner und ich sind nicht beste Freunde“

Alexandra Savior umweht etwas Mystisches. Das mag an den wenigen, vagen Informationen, die über sie und ihre musikalische Identität gestreut wurden, liegen, aber auch an ihrem Auftreten bei ihren bisherigen, seltenen Live-Shows. Anachronistische Musik, Vintage-Kleidungsstil und eine Unbedarftheit auf der Bühne, bei der schwer zu entziffern ist, ob es sich um Nervosität oder Arroganz handelt.

Aufmerksam wurde die breite Musiköffentlichkeit auf sie, nachdem findige Discogs-Detektive herausfanden, dass ihr Song „Risk“, der im Soundtrack der Krimi-Serie „True Detectives“ auftaucht, von Alex Turner geschrieben wurde. Schnell wurde die 21-jährige Savior zur neuen Muse des Arctic-Monkeys-Mannes hochgejazzt. Turner wiederum hält sich völlig bedeckt zu seinem Ausflug in die Talentförderung und so ist es doch mehr als nur diese Verbindung zu einem der größten Musiker des 21. Jahrhunderts die hängen bleibt: nämlich die Songs. Erst kürzlich veröffentlichte Alexandra Savior mit „M.T.M.E.“ eine neue Single. Zu hören gibt es nachttrunkenen Blues mit Barock-Pop-Einschlag, der Bilder von leeren Großstadtstraßenzügen und lasziven Blickkontakten malt.

 

Dass Alexandra Saviors Charakter weit von dem einer Diva entfernt ist, merkt man nach nur wenigen Momenten mit ihr. Wir treffen sie vor ihrem ersten Europa-Konzert beim Hamburger Reeperbahn Festival. Sie liegt zerknautscht in der Hotellobby, reicht einem mit verschlafenen Augen und einem milden Lächeln die Hand und entschuldigt sich bereits zu Beginn: „Wir haben seit drei Tagen nicht mehr richtig geschlafen.“ Die letzten Details an ihrem Debüt müssen geklärt werden und auch ein stundenlanger Transatlantikflug sorgt nicht gerade für das, was man Entspannung nennt. Dennoch wirkt sie interessiert und wach, als das Gespräch ins Rollen kommt.

Alexandra, du kommst ursprünglich aus Portland, das ja sehr bekannt für seine Musikszene ist. Warum hast du dich dennoch für einen Umzug nach Kalifornien entschieden?

Savior: Ehrlich gesagt wegen des Regens. Ich wollte einfach raus aus der Stadt und eine neue Erfahrung machen. Ich dachte, ich sei bereit dazu, selbstständig zu leben, aber da habe ich mich getäuscht. Ich lebe nun in Santa Barbara, was toll ist, da meine Mutter ebenfalls dort wohnt.

„Ich habe in meiner Zeit in Kalifornien eine Abneigung gegen die Sonne entwickelt.“ – Alexandra Savior

Los Angeles, wohin es dich aus Portland verschlagen hat, scheint immer noch ein Anziehungspunkt für Künstler zu sein. Kannst du dir das erklären?

Zunächst einmal glaube ich, dass der Sonnenschein in L.A. für viele Menschen ein ausschlaggebender Punkt ist. Des Weiteren finde ich, dass Los Angeles sehr weiträumig ist, was es dir erleichtert, ein Studio und eine Wohnung zu finden. Es ist immer noch teuer, aber im Gegensatz zu New York beispielsweise, ist das Leben als Künstler in L.A. wesentlich günstiger.

Es scheint ganz so, als seien dir sagenumwobene Plätze in L.A. wie das Chateau Marmont oder der Mulholland Drive gar nicht wichtig.

Nein, diese Orte hatten nie die gleiche Anziehungskraft auf mich wie auf andere Personen. Ich bin keineswegs nach Los Angeles gezogen, um reich zu werden oder diesem Lifestyle hinterherzujagen. Mein Leben in L.A. stand im völligen Kontrast zum sagenumwobenen Leben im Chateau Marmont.

War dein Umzug nach Santa Barbara auch eine Flucht vor der Stadt?

Ja, ich liebe die Natur und mir ist aufgefallen, dass mir kleinere Städte einfach mehr zusagen. Ich bin nie wirklich warm geworden mit Los Angeles und hoffentlich ziehe ich bald wieder zurück nach Portland.

Also könntest du dich wieder mit dem Regen anfreunden?

Ja, definitiv. Ich habe in meiner Zeit in Kalifornien eher eine Abneigung gegen die Sonne entwickelt.

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