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Interview

Alexandra Savior im Gespräch: „Alex Turner und ich sind nicht beste Freunde“

Dennoch scheint es für mich als hättest du recht schnell deinen Platz in der Kreativszene von L.A. gefunden. Du hast Alex Turner getroffen, der zu einer Art Mentor für dich wurde und mit dir an Songs schrieb und sie produzierte. Wie kam es zu dieser Verbindung?

Ich nahm mein Debüt bereits auf, als ich merkte, dass ich keine klare Linie hinein bekam. Alles wirkte zerstreut, mein Gitarrenspiel war noch sehr unreif. Ich wollte mit jemandem zusammenarbeiten, der, nennen wir es, eine Rock-Basis hat und wahnsinnig tolle Texte schreibt. Ich wollte mein Songwriting verbessern, rief beim Label an und erklärte ihnen, was ich mir wünschen würde. Die Leute dort riefen Alex an und er meinte direkt, „Klar, lasst uns einen Kaffee trinken gehen.“ Ich trank vor dem Treffen ein Glas Whiskey, weil ich meine Aufregung sonst nicht hätte verbergen können. Wir trafen uns also in diesem Café und er kam die Straße heruntergelaufen und war die leuchtendste Persönlichkeit, die ich je gesehen habe. Komplett in schwarz gekleidet, zurückgegeelte Haare und ich dachte nur: „Worauf habe ich mich hier eingelassen?“ Aber schlussendlich verstanden wir uns und einigten uns darauf, das Album gemeinsam aufzunehmen.

Wie darf man sich Alex Turner denn als Produzenten vorstellen? Ist er jemand, der dir auch mal in den Arsch tritt und Standpauken hält? Inwiefern hat er dir während des Songwriting-Prozesses geholfen?

Er hat dem Album ein Leitthema gegeben. Er hat es in eine sehr präzise Richtung manövriert. Die Songs, die ich geschrieben habe, waren sehr persönlich, kamen direkt aus meinem Herzen. Was er jedoch gemacht hat, war, ihnen durch seinen unparteiischen Standpunkt eine Logik mit auf den Weg zu geben. Sein Hirn arbeitet wesentlich weniger emotional als meins. Er denkt viel eher in technischen Zügen und möchte allem eine Struktur geben. Wir haben dabei jedoch zusammengearbeitet, es kam nie der Moment auf, in dem es mir vorkam, als würde er mich coachen.

„Es fühlt sich manchmal so an, als würde ich keine Anerkennung erhalten.“ – Alexandra Savior

Viele Menschen sind erst aufgrund seines Namens auf deine Musik aufmerksam geworden. Stellt das für dich ein Problem dar? Fühlst du dich durch seinen Erfolg eingeschüchtert?

Es ist schön, dass mir die Möglichkeit gegeben wird, dass Leute meine Musik hören. Was derzeit passiert, ist ein Segen. Ohne Alex wäre es wesentlich langsamer angelaufen und hätte sicherlich nicht diese Dimensionen erreicht. Es fühlt sich nur manchmal so an, als würde ich keine Anerkennung für all das erhalten. Natürlich gebührt ihm Ehre für seine Hilfe und Mitarbeit, aber es ist nicht so, als habe er die Musik im Alleingang erschaffen. Es ist auch nicht so, als seien wir nun beste Freunde und würden ständig miteinander rumhängen.

Bist du denn zufrieden mit dem Ergebnis eurer Zusammenarbeit oder könntest du deine Musik auf ein höheres Level heben?

Ich genieße es, diese Songs zu singen und sie erinnern mich jedes Mal an die Erfahrung, die ich gesammelt habe, aber es ist nicht so, als sei ich stolz auf das, was ich geschaffen habe.

Bist du generell eine Person, die keinen Stolz empfindet?

Könnte ich ein Album zu 100 Prozent selber machen, sprich, jeden Beat, jeden Akkord, jedes Wort selbst schreiben, wäre ich sehr viel glücklicher damit, aber so weit bin ich noch lange nicht. Zumindest kann ich von meinem Debütalbum behaupten, dass es „meins“ ist.

Das Reeperbahn Festival, bei dem du heute deine erste Show in Europa spielst,  ist Deutschlands größtes und wichtigstes Showcase-Festival. Hier schließt sich Club an Club und hunderte Newcomer sind auf der Suche nach ihrem zukünftigen Publikum. Genießt du solche Veranstaltungen oder setzt dich diese Aufmerksamkeit eher unter Druck?

Ich genieße es, wenn mehrere Acts spielen, weil dadurch die komplette Veranstaltung entspannter wird. Du stehst nicht mehr so im Fokus. Du bist nicht der ausschlaggebende Grund, dass all diese Menschen gekommen sind. Ich glaube, das wird eine schöne Erfahrung; zu wissen, dass die Menschen einfach rausgehen, wenn es ihnen nicht gefällt und hereinkommen können, wenn sie etwas Neues entdecken möchten.

Am Abend präsentierte Alexandra Savior sich im kleinen Imperial Theater dem Reeperbahn-Festival-Publikum. Bereits eine Viertelstunde vor Beginn ihres Sets stehen sich junge Heranwachsende die Beine in den Bauch vor den geschlossenen Türen zum Saal; alles nur, um sie aus nächster Nähe zu sehen. Die Sorgen um ein abwanderndes Publikum waren also unbegründet. Die roten Sessel sind bis auf den letzten Platz gefüllt, als Alexandra Savior mit ihrer Backing-Band, den Rubbish Boys, die Bühne betritt und ein fesselndes 30-minütiges Konzert spielt. Dabei spürt man aus nächster Nähe, dass diese Unnahbarkeit ihrer Bühnenpersona nichts mit Arroganz, sondern mit Unerfahrenheit und Aufregung zu tun hat. Immer wieder dreht sie unterbewusst dem Auditorium den Rücken zu. Immer wieder geht ihr Bassist einen Schritt zurück zu ihr und erinnert sie an ihr verträumtes Auftreten. Doch hier erwartet auch niemand eine Show von dieser so zielstrebigen wie zerstreut wirkenden jungen Frau. Sie soll nur da oben auf den Brettern stehen und ihre wundervollen Songs singen. Beim nächsten Mal auch gerne über eine halbe Stunde hinaus.



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