Black Sabbath


IST ES DAS WIRKLICH WERT? 200 KILOMETER RAUF nach Birmingham, mitten im Wochenendverkehr jetzt stehe ich gerade ohnehin im Stau – um Black Sabbath zu sehen? In legendärer Urbesetzung, okay. Für zwei exklusive Gigs in ihrer Heimatstadt, in Ordnung. Aber was soll man schon groß erwarten? Solche Reunion-Aktionen alter Helden waren in der Vergangenheit ja überwiegend zweifelhafte bis jämmerliche Angelegenheiten – von Velvet Underground über die Sex Pistols bis hin zu den teuflischen Kiss. Meist vorrangig dazu da, die sich leerenden Konten alternder Stars wieder zu füllen… Zwei Stunden später. N.E.C. Arena, Birmingham. Willkommen in der Kirche von Black Sabbath. Die ganze Bühne ist voller gewaltiger Kreuze. Die Lichtmasten sind kreuzförmig angeordnet. Kreuze sind auf die riesigen Vorhänge an den Seiten projiziert, Kreuze im Bühnenhintergrund. Dann treten sie an, Ozzy Osbourne, Tony Iommi, Geezer Butler und Bill Ward – alle in Schwarz gekleidet, Ehrensache. „Das ist der einzige Ort, an dem wir in dieser Besetzung noch einmal spielen wollten“, verkündet Osbourne feierlich. „Das ist das erstemal seit 17 Jahren, daß wir zusammen auf der Bühne stehen!“ Nun ja, nicht ganz. Einmal, im Jahre 1985, gab es eine Sabbath Mini-Reunion für das „Live Aid“-Festival. Aber wer wird sich denn mit den Leuten rumstreiten, die quasi im Alleingang das Heavy Metal-Genre definiert haben… Überhaupt Osbourne: So agil, so lebendig hat man den Ozzman seit Jahren nicht mehr erlebt. Immer wieder hüpft er auf der Bühne herum wie ein wildgewordenes Känguruh, flucht herzhaft durch die Gegend, taucht seinen Kopf in einen bereitstehenden Wassereimer. Dazu gibt er sich kommunikativ, sagt brav jeden Song an -was sich als nötig erweist, weil Sabbath nicht zurückgekommen sind, um einfach ein Greatest Hits-Programm herunterzuspulen. Klar gibt es die Knaller von „War Pigs“ über „N.I.B.“, „Sabbath Bloody Sabbath“ und „Iron Man“ bis hin zu „Paranoid“, Songs, die vom Publikum Zeile für Zeile mitgesungen werden – ,aber da sind auch weniger bekannte Titel, obskure Auszüge aus dem ganzen Sabbath-Katalog bis zum ’76er Album „Technical Ecstasy“. Und allesamt klingen sie so dick und fett und frisch und zeitlos, als wären sie erst gestern aufgenommen worden. Nach zwei Stunden bleibt nicht viel mehr zu sagen als: Respekt, meine Herren. Ihnen hätte man beinahe weniger zugetraut. War es das wert? JA. In Großbuchstaben!