Boom Tschak

Die Electro-Kolumne von Albert Koch

Selbstverständlich

Neulich im Berliner Politkabarett: die schwer unter dem Druck der Öffentlichkeit, also der Wähler, stehende Bundeskanzlerin erklärte die multikulturelle Gesellschaft für „gescheitert“. Die Kanzlerin sprang mit ihrer Erklärung ultrapopulistisch auf den Zug auf, den ein geistig-moralisch herausgeforderter Ex-Politiker und derzeitiger Bestsellerautor vor einigen Monaten in Bewegung gesetzt hatte.

Was das mit dem Thema dieser Kolumne zu tun hat? In der elektronischen Musik ist Multikulti nicht nur nicht gescheitert, sondern eine Selbstverständlichkeit. Unter normalen Umständen würde niemand ein Wort über die Integrationsleistungen der Szene verlieren, außer es entwickelt sich wieder einmal eine rechtspopulistische Debatte über „die“ Ausländer und deren Integrationsfähigkeit. In keinem anderen Genre ist der Multikulturalismus dermaßen Realität wie in der elektronischen Musik – wir erinnern uns daran, welcher Bohei zum Beispiel um den schwarzen Sänger einer Indie-Band gemacht wurde. In der elektronischen Musik wird keiner wegen seiner Hautfarbe, Herkunft, sexuellen Orientierung, wegen seines Geschlechts oder seines Alters diskriminiert – weder als Produzent, noch als Konsument, denn im Club sind sie alle gleich.

Beim Berliner Label Innervisions erscheint jetzt im Rahmen des von der deutschen Organisation „Media In Cooperation And Transition“ initiierten Projekts „Sudan Music Remixed“ und der Kampagne „Sudan 365 – A Beat For Peace“ die EP „Kuar“ des sudanesischen Musikers Emmanuel Jal. Vier Jahrzehnte lang wurde das afrikanische Land vom Bürgerkrieg gebeutelt. Die Bürger des Südsudans werden im Januar über die Abspaltung vom Norden abstimmen. Die an den Kampagnen beteiligten internationalen Organisationen treten für freie und faire Wahlen im Sudan ein.

Auf der EP wird das Lied des sudanesischen Musikers und ehemaligen Kindersoldaten Emmanuel Jal vom Berliner Produzenten Henrik Schwarz und von Olof Dreijer vom schwedischen Indietronics-Duo The Knife remixt. Im „Henrik Schwarz Remix“ gehen der hypnotische Groove und die funky Bassline hervorragend zusammen mit den traditionalistischen Vocals des Original-Tracks. Olof Dreijer setzt den Gesang stärker in den Vordergrund und untermalt ihn mit vielfarbiger Percussion und Up-front-Drumming.

Emmanuel Jal

Kuar EP

Innervisions/Word And Sound

(12-Inch und Download)

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