Chappell Roan kontert Kritik: „Outfit ist nicht wirklich skandalös“
Die US-Popsängerin reagiert auf Online-Kritik an ihrem Grammy-Auftritt mit klarer Ansage: Der durchsichtige Mugler-Look sei großartig und ungewöhnlich.
Chappell Roan hat sich zu den vielen, sehr weit auseinandergehenden Reaktionen auf ihr Main-Outfit bei der Grammy-Verleihung 2026 geäußert. Bei der 68. Ausgabe der Awardshow am 1. Februar gehörte die Musikerin zu den Künstlerinnen, über die am meisten gesprochen wurde – weniger wegen der Trophäen, dafür umso mehr wegen ihrer kompromisslosen Ästhetik.
Statement auf Instagram: „Großartig und ungewöhnlich“
Über ihren Instagram-Account nahm Chappell Roan am Montag, 2. Februar, Stellung zu den Online-Diskussionen. „Ich muss schmunzeln, denn ich finde nicht einmal, dass dieses Outfit SO skandalös ist“, schrieb der US-Popstar zum Look. Sie bezeichnete das Ensemble als „wirklich großartig und ungewöhnlich“ und empfahl ihren Followern, ihre persönliche Freiheit auszuüben – das sei „wirklich spaßig und albern“.
Details zum Red-Carpet-Look
Das Outfit bestand aus einer durchsichtigen Mugler-Robe mit Kapuze, unter der sich ein bordeauxfarbenes Kleid befand. Die Konstruktion des Kleides sorgte durch ihre unkonventionelle Befestigung – gehalten durch zwei dekorative Ringe am Oberkörper – für besondere Aufmerksamkeit.

Mittelalterliche Fantasie als ästhetisches Konzept
Verantwortlich für das visuelle Gesamtbild war Make-up Artist Andrew Dahling, der gemeinsam mit MAC Cosmetics ein bewusst reduziertes Beauty-Konzept entwickelte. Ziel war es, die aufwendig gestalteten temporären Tattoos nicht zu überlagern, sondern ihnen Raum zu geben. Dahling erklärte der Presse: „Sobald die Tattoos ins Spiel kamen, bekam alles eine mittelalterliche Dimension – aber auf authentische Weise.“ Die Motive wirkten weniger wie Verzierung als vielmehr wie Teil einer in sich geschlossenen Fantasiewelt, die historische Referenzen mit moderner Pop-Ikonografie verband.
Einige Beobachter:innen deuteten einzelne Motive der Körperbemalung symbolisch. So wurde etwa ein Pony-Motiv im Brustbereich als mögliche Referenz auf Roans Song „Pink Pony Club“ gelesen, einen der zentralen Titel ihres bisherigen Schaffens.

Abseits des inszenierten Grammy-Looks trägt Chappell Roan auch echte Tattoos. Dazu zählt unter anderem ein Schwan-Motiv am Unterarm, dem sie selbst eine persönliche Bedeutung zuschreibt.
Zurückhaltung als Stilmittel
Rauchige, aber weich gehaltene Augen, dezente Metallic-Akzente und ein zurückgenommenes Nude-Rot auf den Lippen sorgten dafür, dass Schmuck, Texturen und Silhouetten im Mittelpunkt blieben.
Im Kontrast zu Chappell Roans sonst oft exzentrischen Glam-Looks entschied sich das Team diesmal für bewusste Zurückhaltung beim Make-up. Dahling beschreibt die Herangehensweise laut „Marie Claire“ wie folgt: „Es war so viel los – die Tattoos, die Prothesen, all diese Details. Wir wollten, dass alles zusammenpasst und die Welt, die wir geschaffen haben, respektiert wird.“
Ein zweiter Look, eine andere Stimmung
Später am Abend zeigte sich Roan in einem zweiten Outfit: ein fließendes, engelsgleich drapiertes Kleid mit kühlerer Anmutung. Das Make-up wurde entsprechend angepasst – Lavendeltöne, metallische Highlights und dramatische Schattierungen erzeugten eine neue Atmosphäre, ohne die Grundidee von kontrollierter Coolness zu verlassen. Auch hier ging es weniger um Effekte als um Haltung.

Roans Auftritte bei der Grammy-Zeremonie
Während der Preisverleihung übernahm Chappell Roan die Präsentation der Kategorie „Best New Artist“, die von der britischen Künstlerin Olivia Dean gewonnen wurde. Als Nominierte war Roan selbst mit ihrer Single „The Subway“ in den Kategorien „Record of the Year“ und „Best Pop Solo Performance“ vertreten, konnte jedoch keine Trophäe mit nach Hause nehmen.
Zwischen Pop-Theater und nächstem Karriereschritt
Musikalisch befindet sich Chappell Roan derzeit in einer Phase der Neujustierung. Nach dem Erfolg ihrer letzten Veröffentlichungen arbeitet sie an neuem Material, das laut Interviews persönlicher und zugleich experimenteller ausfallen soll. Themen wie Identität, Begehren und Selbstinszenierung bleiben zentral, werden aber stärker mit elektronischen und theatralen Elementen verknüpft. Roan denkt Pop nicht als Produkt, sondern als Gesamtkunstwerk – eine Haltung, die sich auch in ihren visuellen Entscheidungen widerspiegelt.
Die Sängerin, die bei der Grammy-Verleihung des Vorjahres die Auszeichnung als „Best New Artist“ erhielt, etablierte sich seitdem als aufstrebende Stimme der US-Popszene, die bewusst mit Erwartungen bricht.
Grammys ohne Trophäe – aber mit Wirkung
Auch wenn Chappell Roan ihre Nominierungen am Ende nicht in einen Grammy ummünzen konnte, war ihr Auftritt ein Statement. In einer Preisverleihung, die oft auf sichere Bilder setzt, nutzte sie die globale Bühne für einen künstlerischen Entwurf, der sich gängigen Erwartungen entzog. Manchmal, so zeigte dieser Abend, liegt der nachhaltigere Sieg nicht im Gold, sondern in der Erinnerung.



