ClickClickDecker live in Freiburg

„Nett“, sagte mal jemand zu mir, „nett ist die kleine Schwester von Scheiße!“Hm, dachte ich mir dabei, so ganz unrecht hat er vielleicht nicht. Schließlich kommt es hin und wieder vor, dass man etwas zwar als nett bezeichnet, tatsächlich aber nicht so wirklich richtig toll findet. Aber muss sowas nicht von Situation zu Situation ausdifferenziert werden? diskutierte ich hernach mit mir selbst weiter und kam zu dem genialen Schluss: Ja, man muss. Man kann nicht immer alle irgendwann gebastelten Allgemein- gültigkeiten über einen Kamm scheren, gleichgültig, ob sie selbst gemacht oder fern der eigenen Denke fremden Hirnen entsprungen sind. Wenn ich also im folgenden Text etwas als nett titulieren sollte, dann ist das auch so gemeint. Und zwar als positives Einzelkind, nicht als Teil eines negativ belasteten Geschwisterpaares. Am letzten Abend des Frühlingsanfangsmonats, der uns in diesem Jahr alle ganz schön verarscht hat, spielte ein in Hamburg lebender gebürtiger Berliner namens Kevin Hamann, der unter dem etwas merkwürdigen Namen ClickClickDecker unterwegs ist, mit seiner Band im White-Rabbit-Club. Zuvor, am Nachmittag, gab’s als Appetithappen ein kleines, akustisches Stelldichein im hiesigen weltbesten Plattenladen diesseits der Milchstraße. Mit seinem Gitarristen als Duo auftretend präsentierte Herr Hamann eine Hand voll Songs im vollen Laden, danach durfte der am Abend als Warm-Up-Guy auftretende Peer aus Berlin seinerseits für ein paar Stücke ran. Hübsche Sache, so ein Laden-Konzert, inmitten von Vinyl und CDs, Büchern und T-Shirts. Ich war gespannt auf den Abend.Peer stand bereits seit wenigen Minuten alleine mit akustischer Gitarre auf der Bühne, als ich ankam. 45 Minuten lang unterhielt er mit seinen teilweise als regelrechte Miniaturen daher- kommenden Songs, erzählte dazwischen immer wieder etwas über die Stücke, das Ganze sehr entspannt und angenehm unspektakulär vorgetragen. Sehr originell fand ich die – wie übrigens alle Stücke – in deutsch dargebotene Coverversion von „The Final Countdown“. Das war definitiv das erste Mal, dass ich diesem Song etwas Positives abgewinnen konnte, nicht zuletzt ob der mit Mundharmonika interpretierten, zweifellos prägnanten Melodielinie dieses damals wie heute sehr lästigen Gassen- hauers. Lediglich den Mitmachteil gegen Ende des Konzerts, als der Alleinunterhalter das etwa hundertköpfige Publikum in der Mitte zu teilen versuchte und für zwei Textzeilen als Chor mit einspannen wollte, hätte ich nicht unbedingt gebraucht. Und so richtig gut geklappt hat’s dann auch nicht. Trotzdem kann ich behaupten, einen guten Auftritt von ihm gesehen und gehört zu haben.Nach zehn Minuten Umbaupause, die ich nutzte, ein Getränk zu kaufen und den Stand mit den Goodies in Augenschein zu nehmen, betrat dann ClickClickDecker mit seiner nun zum Quartett angewachsenen Band die Bühne. Zwei E-Gitarren mit einem Hauch Verzerrung, Bass und natürlich Schlagzeug zur rhythmischen Untermalung, von Zeit zu Zeit ein Keyboard, eine winzige Prise Elektronik und später bei zwei Stücken eine Melodica, formten aus den im Grunde als klassische Singer- Songwriter-Stücke konzipierten Liedern einen modernen deutschsprachigen Songwriter-Pop mit klar im Mittelpunkt stehenden, ambitionierten Texten. Diese erinnerten mich des Öfteren an die Ausdrucksweise eines Marcus Wiebusch von Kettcar, während die Musik vielleicht als eine ecken- und kantenlose Kreuzung aus eben diesen und den britischen Wedding Present gehandelt werden könnte, ohne jedoch völlig uneigenständig zu wirken. Im 85-minütigen Set (inkl. zweier Zugabenblöcke) hielt sich ein großer Teil der Songs im Midtempobereich auf, so dass die schnelleren, rockigeren Stücke positiv hervorstachen und den Auftritt, der zudem durch recht lange Pausen zwischen den Liedern leider etwas unflüssig war, immer wieder vorm Abdriften in Geplätscher retten konnten. Ebenfalls als nicht sonderlich gut befand ich die Abmischung des Sounds, der den Gesang kurzzeitig gar gänzlich in all zu basslastigem Gedröhne versinken ließ.Gegen Ende wurde dann einmal mehr alles besser, als im ersten Zugabenblock noch zwei Songs lang ordentlich gerockt wurde, bevor die letzten beiden Stücke dem Chef persönlich gebührten, der solo deutlich mehr Intensität fabrizieren konnte, als zuvor das Kollektiv.So sah ich ein im Gesamteindruck leicht durchwachsenes, wenn auch nicht schlechtes Konzert, bei dem der Sänger mehrfach gutes Gespür für hitverdächtige Melodien beweisen konnte.Punktsieger des Abends blieb dennoch – zumindest für meinen Geschmack – eindeutig Peer.

Pändy – 17.04.2009

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